»Sommerpause« in Deutschland

Corona sorgt für geändertes Urlaubsverhalten – die deutsche Politik beschäftigt sich neben dem Bezeichnungsrecht auch mit dem Thema Insektenschutz

In diesem Sommer hält sich das Fernweh der Deutschen in Grenzen: Die Folgen der Corona-Krise verstärken den Trend der letzten Jahre zum Urlaub im eigenen Land. Schon vor der Pandemie verbrachte rund ein Viertel der Deutschen die Ferien in eigenen Gefilden. Dieser Anteil wird sich im Jahr 2020 erhöhen. Laut Umfragen von Meinungsforschungsinstituten verbringen über 35 Prozent der Deutschen ihre Ferien in Deutschland. Für den Tourismus lassen sich damit jedoch die verlorenen Monate März, April und Mai natürlich nicht mehr aufholen, in absoluten Zahlen gesehen, geht das Reisevolumen dieses Jahr zurück.

Was bedeutet dieses geänderte Urlaubsverhalten für die deutschen Weinerzeuger? Profitieren sie von höheren Urlauberzahlen in den Weinregionen? Führt diese Entwicklung zu einem stärkeren Konsum von deutschem Wein? Viele Betriebe hoffen jedenfalls auf eine weitere Normalisierung und ein stärkeres Aufleben von Gastronomie und Fachhandel. Der »Lockdown« hatte zu einer Verschiebung des Weinabsatzes in den Lebensmitteleinzelhandel, in den Onlinehandel und die Direktvermarktung geführt. Neben dem HORECA-Sektor hatten vor allem auch Export und Fachhandel stark verloren. Die Lockerungen im Mai – die Wiederöffnung des Gastronomiebereichs unter Einhaltung von strengen Hygieneregeln – hatten dann eine weitere Verschlechterung verhindert und der Rückgang der Absätze hat sich nicht weiter beschleunigt. Doch wie wird es in der 2. Jahreshälfte, in und nach der Urlaubszeit weitergehen (vgl. auch Bericht Frau Prof. Dr. Loose zu Corona-Folgen Teil 2, S. 32 ff )?

Von Sommerpause war in der Politik zunächst nicht viel zu spüren. In Brüssel hatten die Staats- und Regierungschefs Ende Juli nach tagelangen intensiven Diskussionen einen politischen Kompromiss über den künftigen mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) und spezifische Aufbaumaßnahmen zur Abfederung der Folgen der Corona-Krise beschlossen. Das umfasste auch das Budget für die GAP, das natürlich als Folge des Brexits im Vergleich zu früher gekürzt wurde.

In Bonn und Berlin und innerhalb der Weinbaubranche gingen die Diskussionen um die Reform des Weingesetzes und insbesondere des Bezeichnungsrechts weiter. Coronabedingt konnten viele Diskussionen und Erläuterungen nicht vor Ort im direkten Dialog geführt werden, so dass vielen Erzeugern die Chancen des neuen Systems noch nicht bewusst sein dürften. Auch die Konsequenzen der vorgenommenen Streichung der Leitgemeinderegelung im EU-Recht, die das BMEL in seinem Vorschlag umsetzt und die Positionen hinsichtlich des Bezeichnungsrechts und der Übergangsfristen, auf die sich der Vorstand des DWV verständigt hat, sind noch nicht überall an der Basis angekommen. Hier besteht noch Informationsbedarf.

Neben dem BMEL war auch das BMU im Sommer fleißig und hat seinen Teil des Insektenschutzprogramms vorgelegt, das der Branche großes Kopfzerbrechen bereiten wird. Für die Landwirtschaft sind harte ordnungsrechtliche Auflagen vorgesehen, andere Einflussbereiche, wie etwa die Themen Lichtverschmutzung und Flächenverbrauch, werden dagegen nur allgemein angesprochen. Da wird auch der Weinbau entsprechend reagieren müssen.

Mal sehen, welche neue Entwicklungen in diesen Gesetzgebungsverfahren der Herbst bringt! Auf diesen steuern wir zumindest bereits im Weinberg mit großen Schritten zu. Vom Reifestand betrachtet, dürfen wir mit einem frühem Herbstbeginn rechnen. Im Südwesten dürfte es bereits in der 3. Augustdekade, in der Mitte um den Monatswechsel und nördlicher dann in der ersten Septemberhälfte losgehen. Die Trockenheit ist zwar schon länger ein Thema, war aber bisher in Normalanlagen weitgehend noch verkraftbar. Insbesondere in exponierten Lagen sind die Trockenstresssymptome jedoch deutlich sichtbar. Für den Endspurt bis zur Traubenlese hoffen wir, dass sich in dieser wichtigen Reifephase – trotz Hitzewelle – die Traubenentwicklung positiv fortsetzt.