Selbstverantwortung – packen wir die Herausforderung an!

Die künftige Profilierung der Anbauregionen wird die große Bewährungsprobe für die Schutzgemeinschaften.

Januar ist traditionell der Monat der Wintertagungen. Wie jedes Jahr informieren die regionalen Weinbauverbände ihre Winzer über weinbaupolitische Schwerpunkte des Jahres. Im Mittelpunkt steht dieses Jahr erneut das Thema Herkunftsprofilierung, das in den Regionen nach der für den Monat März angekündigten Verabschiedung der Weinverordnung noch stärker in den Fokus rücken wird. Die tragende Rolle bei der Profilierung wird dabei den Schutzgemeinschaften zukommen. Keine leichte Aufgabe, die Produktionsvorgaben für ihre profilierten Regionen zu gestalten und dabei die Interessen der Erzeugergruppen in Einklang zu bringen – zumal die Schutzgemeinschaften noch auf keinen umfassenden Erfahrungsschatz und keine lange Tradition zurückgreifen können.

Die rechtliche Grundlage für die Gründung von Schutzgemeinschaften wurde erst vor knapp fünf Jahren im Weingesetz gelegt. Hintergrund war eine Änderung des EU-Rechts aus dem Jahr 2009, mit der die Gestaltung der Produktionsbestimmungen für den Weinbau weg von den staatlichen Institutionen, hin zur Weinwirtschaft in die Hände der Erzeuger gelegt wurde. Das Mindestmostgewicht, die Abgrenzung des Gebietes, die zugelassenen Rebsorten oder der Hektarhöchstertrag werden zukünftig nicht mehr in Landesverordnungen geregelt, sondern in Lastenheften, deren Ausgestaltung jetzt jeder interessierten Gruppe von Erzeugern obliegt – ein großer Schritt in Richtung Selbstverwaltung. Oberstes Ziel war es, zunächst diese Selbstverantwortung in geordnete Bahnen zu bringen. Wenig zielführend erschien es, dass nun widersprechende Anträge verschiedener Erzeugergruppen an die zuständige Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung gestellt werden. Um die Interessen der Erzeuger zu diskutieren und zu kanalisieren, hat der Gesetzgeber daher die Möglichkeit der Anerkennung von Schutzgemeinschaften und Branchenverbänden eröffnet, wenn sie hinreichend repräsentativ sind (2/3 der Weinbergsfläche und der Erzeugung einer Herkunftsbezeichnung). Somit begann eine Serie von Gründungen der Schutzgemeinschaften und eines Branchenverbandes in den Regionen, die ihre Arbeit aufnahmen.

Aller Anfang ist schwer! Die Änderung von Lastenheften erfordert sowohl in der Abstimmung zwischen den Erzeugern und vor allem in der Durchführung des Änderungsverfahrens einen langen Atem. Diese Erfahrung machen aktuell einige Schutzgemeinschaften. Dazu kommt, dass die Erwartungen an die Schutzgemeinschaften hoch sind. Sobald der rechtliche Rahmen für die Profilierung verabschiedet wurde, sollen sich die Schutzgemeinschaften auf den Weg machen, um die Herkunft als Qualitätskriterium weiterzuentwickeln. Große Aufgaben, an denen man bekanntlich wächst bzw. wachsen muss.

Trotzdem wäre es hilfreich, wenn die Schutzgemeinschaften bei ihren Aufgaben Unterstützung und Beratung erhalten könnten. Eine zentrale Koordinierungsstelle, eine so genannte Geoschutzstelle, könnte einen gemeinsamen Erfahrungsschatz aufbauen. Damit könnte sie die Schutzgemeinschaften bei ihren Planungen und der Vorbereitung ihrer Entscheidungen unterstützen und frühzeitig über rechtliche Hürden informieren. Neben der Koordination sollte eine Geoschutzstelle auch bei der »technischen« Durchführung des Antragsverfahrens behilflich sein. Die Branche ist sich einig, dass die Einrichtung einer derartigen Stelle notwendig ist. Genauere Details hinsichtlich der Ausgestaltung einer derartigen Stelle werden hingegen aktuell noch diskutiert. Wie üblich sollte bei der Einrichtung von neuen Strukturen gelten: Unbürokratisch, einfaches Verfahren und nach Möglichkeit Rückgriff auf bestehende Strukturen bzw. bestehendes Know-How.