Herkunftsprofilierung - Label-over-kill?

Welche Label oder Kennzeichen zur Herkunft sind für den Verbraucher in Zukunft notwendig und sinnvoll?

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat kürzlich den Begriff »Corona-Pandemie« zum Wort des Jahres 2020 gekürt. Wäre die Jury mit Vertretern unserer Branche besetzt gewesen, hätte die Wahl auch auf den Begriff »Herkunftsprofilierung « fallen können. Wir hatten lange auf Vorschläge des Ministeriums gewartet, mit denen ein Übergang in ein herkunftsbezogenes Qualitätssystem eingeleitet werden sollte. Im Juni hat das Ministerium diese endlich veröffentlicht. Vor Jahresende könnte nun zumindest ein Meilenstein auf dem Weg zur Herkunftsprofilierung erreicht werden. Der Bundestag hat die Änderung zum Weingesetz letzte Woche verabschiedet. Am 18. Dezember soll das Gesetz den Bundesrat passieren. Es enthält Maßnahmen insbesondere zur Marktstabilisierung und zur Absatzförderung, die das neue Herkunftskonzept flankieren sollen. Auf die Weinverordnung, die mit ihren Regelungen zur Herkunftsprofilierung vom deutschen Wein bis hin zum Lagenwein das Kernstück der Reform bildet, müssen wir noch bis zum Februar warten.

Mit dem Thema Herkunftsprofilierung wird in einigen Regionen bzw. Schutzgemeinschaften die Diskussion über die Verwendung der klassischen EU-Herkunftszeichen für die geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) und die geschützte geografische Angabe (g.g.A.) aufkommen. Anders als für andere landwirtschaftliche Produkte ist die Verwendung der Logos für den Weinsektor fakultativ. Bislang werden sie auf Weinetiketten aus Deutschland oder auch aus anderen EU-Staaten wenig bis gar nicht verwendet. Laut einer Eurobarometer-Umfrage spielt zwar die Lebensmittelqualität für fast alle Befragten bei der Kaufentscheidung eine wichtige Rolle. Dabei verlassen sich auch 81 Prozent auf nationale Qualitäts- und Gütesiegel. Die Mehrheit der EU-Bürger kennt hingegen die unterschiedlichen EU-Qualitätssiegel für Nahrungsmittel nicht. Nur ca. 20 Prozent der Befragten kennen die klassischen Herkunftszeichen für g.U. und g.g.A. Dabei könnten sie eine Alternative zu den sperrigen ausgeschriebenen Begriffen auf dem Etikett sein, sofern die EU die alleinige Verwendung des Logos zulassen würde – was aktuell noch geklärt werden muss!

Auch die EU beschäftigt sich aktuell mit dem Thema geschützte Herkunftszeichen und hat im Rahmen der Veranstaltung »Strenghtening Geographical Indications« kürzlich versucht herauszufinden, warum diese Zeichen aktuell im Weinsektor so wenig populär sind. Obwohl Frankreich eine andere Tradition hat, was geschützte Herkunftsbezeichnungen angeht, waren meine Antworten und die des französischen Vertreters auf diese Frage sehr ähnlich: Vergleichbar wie in Frankreich würden hierzulande bei verpflichtender Verwendung dieser Zeichen, diese auf über 90 Prozent der Flaschen verwendet werden. Welchen Mehrwert hätte das für den Verbraucher, wenn sich die Produkte fast aller Erzeuger durch Verwendung des Logos nicht voneinander abheben können? Ohnehin werden in Frankreich die »ausgeschriebenen Begriffe« bzw. bei uns bisher alternativ die traditionellen Begriffe verwendet. Der französische Vertreter sprach von einem Label-over-kill, da künftig neben Warnhinweisen für Schwangere z.B. auch die Kalorienangabe und die Verlinkung auf eine Zutatenliste auf dem Etikett erfolgen müsse. Insofern äußerte er sich klar gegen eine verpflichtende Verwendung. Auch für uns sind zusätzliche Begriffe, Labels oder Logos nur dort sinnvoll, wo sie einen zusätzlichen Nutzen bringen. Das betrifft auch die aktuelle Weinrechtsreform. Es sollten nur dort zusätzliche Herkunftsbezeichnungen verwendet werden, wo eine Verwechslungsgefahr für den Verbraucher besteht und er diese zur besseren Orientierung benötigt.