Herkunft rückt in den Mittelpunkt - DWV-Präsident spricht auf Pfälzer Weinbautag

Pressemitteilung vom 15. Januar 2019

Der Präsident des Deutschen Weinbauverbandes e.V. (DWV) Klaus Schneider erläuterte heute auf dem 72. Pfälzer Weinbautag in Neustadt/Weinstraße das DWV-Konzept zur Schaffung eines neuen herkunftsorientierten Qualitätssystems. Für diese Neuausrichtung setzt sich der DWV im Rahmen der aktuellen Überarbeitung des Weingesetzes ein.

Die vom DWV vorgeschlagene Systematik beruhe auf zwei Kern­aussagen, erklärte Schneider. Zunächst müsse Herkunft künftig ein Qualitätsversprechen sein. „Je kleiner die angegebene Herkunfts­kategorie ist, desto größer muss die zugesagte Qualität sein. In Zu­kunft muss das Anbaugebiet weiterhin für eine gewisse Qualität, die Einzellage hingegen zwingend für eine höhere Qualität stehen, führte Schneider aus. Einzig durch diese klare Systematik könne der Verbraucher eine bessere Übersicht im Bezeichnungs­dschungel erhalten, resümierte der Weinbaupräsident.

In seinem Vortrag wies Schneider auch darauf hin, dass die Her­kunft als Qualitätsversprechen seit langem im Weinrecht der großen Weinbauländer Frankreich, Italien und Spanien verankert sei. „Österreich und Ungarn haben mittlerweile nachgezogen, Deutsch­land darf daher hier nicht den Anschluss verlieren“, mahnte Schnei­der.

Der DWV-Präsident betonte zudem, dass der Vorschlag des DWV, das gesamte Weinangebot umfassen sollte. In den vergangenen Monaten habe man daher versucht, eine Verständigung in der Branche zu erzielen, welche Bedeutung neben den geschützten Ursprungsbezeichnungen (frühere Qualitäts- und Prädikatsweine) die Kategorien Weine mit geschützten geografischen Angaben (die früheren Landweine) und der „Deutsche Wein“ bekommen soll. Diese Gespräche werden in den kommenden Monaten noch fort­gesetzt werden.

Der Weinbaupräsident zeigte sich erfreut darüber, dass die Winzer in den sogenannten Schutzgemeinschaften die ihnen vom Gesetz­geber neu übertragene Selbstverantwortung für Ihre Anbaugebiete bereits wahrnähmen. „Künftig sollen sie auch für die Profilierung der Gebiete verantwortlich sein, denn aktuell beraten sie bereits die Möglichkeiten der künftigen Gestaltung ihrer Gebiete anhand einer herkunftsorientierten Pyramide“, berichtete Schneider.

Des Weiteren erläuterte er, dass eine EU-Weinrechtsänderung, die vergangenen Freitag (11. Januar) im Amtsblatt der EU veröffentlicht wurde, bereits bald die Möglichkeit zu mehr Subsidiarität und Eigen­verantwortung für die Regelungen der Weine mit geschützter Her­kunftsbezeichnung böte. Die Branche hatte darauf gedrängt, Produktions­bestimmungen der Lastenhefte wie bspw. das Mindest­mostgewicht, die zugelassenen Keltertraubensorte oder die Abgren­zung des geografischen Gebie­tes schnell und unbürokratisch an­passen zu können. Angesichts der Auswirkungen des Klimawandels sei eine mehrjährige Verfah­rensdauer absolut inakzeptabel. Mit großer Zufriedenheit stellte der Weinbaupräsident fest, dass der EU-Gesetzgeber auf das Anliegen der Branche reagiere und für Standardänderungen ein rein natio­nales Verfahren vorsieht, das Anfang 2019 nun endlich in Kraft tritt.

Für Schneider ist nun der deutsche Gesetzgeber am Zuge. Sein klarer Appell lautet: „Setzt bitte Regeln, die ein unbürokratisches, schlankes nationales Verfahren vorsehen, damit im Interesse aller Änderungen von Lastenheften tatsächlich schnell umgesetzt wer­den.“ Und natürlich erwarte auch er voller Spannung den ersten Arbeitsentwurf zur Reform des Bezeichnungsrechts, sagte Schnei­der zum Schluss seiner Rede.