Der Herbst ist da!

Auch 2020 startet die Lese wieder früh – Informeller Rat der EU-Agrarminister belebt Debatte über Zukunft der Landwirtschaft

Den Sommer verlängern – wohl jeder kennt diesen Wunsch, wenn die Ferien zu Ende gehen, die Tage wieder kürzer werden, morgens und abends die Temperaturen kühler werden und der normale Arbeitsalltag wieder beginnt. Auf die Frage nach ihrer Lieblingsjahreszeit nennt mehr als die Hälfte der Deutschen den Sommer. Aber auch dieses Jahr setzt der Herbst wieder früher ein – zumindest im Weinberg: Erneut bereits im August hat die diesjährige Weinlese in einigen deutschen Anbaugebieten begonnen. Auch aus dem Ausland werden neue Rekorde gemeldet – im französischen Bordelais haben einige Betriebe drei Wochen früher als gewohnt mit der Lese begonnen. Auch im Jahr 2020 machte sich der Klimawandel bemerkbar – insbesondere durch Hitze und Dürre. Einige Regionen sind leider zudem auch stärker von den Folgen der Spätfröste im Monat Mai betroffen. Insgesamt haben sich Weinreben und Trauben aber gut entwickelt. Krankheiten waren abgesehen von Oidium, das an einigen Orten auftrat, in diesem Jahr kein größeres Problem. Wenn die Wetterbedingungen in der angelaufenen Erntesaison stabil bleiben, dürfen wir uns dieses Jahr über gute bis beste Qualitäten freuen. Ich wünsche allen Winzern einen erfolgreichen Herbst ohne unerfreuliche Zwischenfälle!

Während die Winzer mit der Lese beschäftigt sind, gehen in der Politik die Diskussionen über die Zukunft der Landwirtschaft weiter. Das Bundeskabinett hatte im Juli zugestimmt, eine »Zukunftskommission Landwirtschaft « einzusetzen, die Anfang September das erste Mal tagte – leider ohne direkte Beteiligung des Weinbaus! Diese Kommission soll Zielkonflikte zwischen wirtschaftlicher Lebensmittelproduktion und Klima- und Umweltschutz sowie Kaufverhalten und Verbrauchererwartungen lösen. Der Zeitplan ist dabei mehr als ambitioniert: Im Herbst dieses Jahres soll bereits ein Zwischenbericht und im Sommer 2021 der Abschlussbericht vorliegen. Die Kommission soll unter Einbindung von Praktikern, Wissenschaftlern und gesellschaftlichen Akteuren, insbesondere Umwelt-, Tierschutz- und Verbraucherverbänden, praxistaugliche Empfehlungen erarbeiten für eine produktive und ressourcenschonende Landwirtschaft. Ziel ist es, ein übergreifendes gemeinsames Verständnis zu entwickeln, wie mehr Biodiversität, Klima- und Umweltschutz mit den fundamentalen Aufgaben der Erntesicherung und der ökonomischen Tragfähigkeit – gerade auch für die vielen Familienbetriebe – zusammengebracht werden können. Der Weinbau hätte bei diesen Themen auch gerne seinen Standpunkt eingebracht. Dies wurde ihm nicht ermöglicht. Leider muss unser Berufsstand aktuell immer kämpfen, um kontinuierlich auch in horizontale Themen einbezogen zu werden, bei denen spezielle Interessen des Weinbaus bestehen. Das muss sich noch verbessern!

Auch auf EU-Ebene sind die Entwicklungen für unsere künftige Agrarpolitik noch nicht weiter vorangeschritten. Leider konnte auch der Informelle Rat der EU-Agrarminister, zu dem unsere Landwirtschaftsministerin Anfang September nach Koblenz und in die Winninger Weinberge einlud, nicht dazu beitragen. Vielmehr wurde darüber diskutiert, welche Lehren aus der Coronakrise für die Sicherung der Lebensmittelkette in Zukunft gezogen werden sollten. Sicherlich ein Thema, das in der aktuellen Situation seine Berechtigung hat. Die drängenden Fragen, wie es mit der GAP-Reform weitergeht und wann der EU-Agrarhaushalt endlich unter Dach und Fach kommt, waren dagegen nicht auf der Agenda. Dabei waren noch im Juli die Fertigstellung der Übergangsverordnung für 2021-2022 und die Einigung auf ein Verhandlungsmandat zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik im Oktober als die wichtigsten Prioritäten der Deutschen Ratspräsidentschaft verkündet worden. Auch hier erscheint der Zeitplan sehr ambitioniert, zumal noch etliche Fragen, etwa im Zusammenhang mit den nationalen Strategieplänen, offen sind. Dem Bundeslandwirtschaftsministerium stehen somit arbeitsreiche Wochen bevor, zumal auch die Reform des Weinrechts bis Ende des Jahres abgeschlossen werden soll.