Leitlinie für die Tätigkeiten des Deutschen Weinbauverbandes e.V. im Zeitraum 2014 bis 2020

Pressemitteilung vom 14. Mai 2014

Auf der Öffentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Weinbauverbandes (DWV) am 14. Mai auf Schloss Johannisberg, Rheingau, stellte Generalsekretär Rudolf Nickenig die Leitlinie des Verbandes für die Verbandstätigkeit in den nächsten Jahren vor.

Die Leitlinie dient dazu, aktuelle Fragen an der Elle des nachhaltigen Denkens zu messen. Gerade bei der Dauerkultur Rebe sei langfristiges Denken und Handeln eine wesentliche Voraussetzung für dauerhaften Erfolg in der Branche, betonte der Generalsekretär.

Weinbaupolitik bedeutet laut Nickenig die ständige Herausforderung, eine zukunftsorientierte Harmonie zwischen Tradition und Fortschritt zu finden. Hierbei erinnerte er an das Sprichwort Gustav Mahlers: „Tradition heißt nicht, Asche zu verwahren, sondern eine Flamme am Brennen zu halten!“ 

„Diese Balance muss auch in der europäischen Politik gefunden werden“, kommentierte Nickenig und erläuterte im Folgenden die Verbandsposition: Der DWV unterstütze aus voller Überzeugung die europäische Idee, aber er wende sich gegen eine allmächtige Bürokratie in Brüssel! Er werde im Zeitraum 2014 bis 2020 weiter dafür kämpfen, dass das Thema Subsidiarität nicht länger essentieller Bestandteil der politischen Sonntagsreden bleibe, sondern in konkrete Politik umgesetzt werde. Der DWV sei überzeugt, dass die Vielfalt eine Stärke Europas sei und daher auf nationaler und regionaler Ebene die Umsetzung von europäischen Rahmenvorschriften viel effektiver sein könne. Dies treffe auch für das Autorisierungssystem von Rebpflanzungen oder für kurzfristig zu treffende Entscheidungen wegen außergewöhnlicher Witterungsbedingungen zu!

Der Generalsekretär betonte, dass die wirtschaftspolitischen Rahmendaten so gesetzt werden müssten, dass die Winzer ihr Einkommen am Markt erwirtschaften könnten und nicht subventionsabhängig würden. Allerdings vertrete der DWV die Auffassung, dass Leistungen der Winzer für die Allgemeinheit, insbesondere für die Pflege von Kulturlandschaften, aus öffentlichen Mitteln entlohnt werden müssten.

In nächster Zeit müsse es endlich gelingen, dass der Steil- und Terrassenweinbau aus öffentlichen Mitteln eine nachhaltige Förderung und Entlohnung für die dort erbrachten Leistungen erhielte, führte Nickenig weiter aus und resümierte: „Fördermittel, die zu hohem bürokratischen Aufwand  führen, machen jedoch keinen Sinn!“

Der DWV werde sich im Zeitraum 2014 – 2020 intensiv mit dem strukturellen Wandel und seinen Folgen beschäftigen; es müssten Wege aufgezeigt werden, wie die Vollerwerbsbetriebe Einkommen erwirtschaften, die sich im Vergleich zur allgemeinen Wirtschaft sehen lassen könnten und die attraktiv für Betriebsnachfolger seien, erklärte der Generalsekretär. „Der DWV will sich aber auch um die Sorgen und Nöte der Nebenerwerbswinzer kümmern, die eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Erhaltung traditioneller Kulturlandschaften spielen“, sagte er, denn schließlich gelte es, alle Betriebsformen im Blick zu haben, die Traubenerzeuger, die Mitglieder von Winzergenossenschaften, die Fassweinerzeuger, die Direktvermarkter, Güter und Winzergenossenschaften – und auch die Partner auf der Erfassungs- und Vermarktungsseite in der Wertschöpfungskette.

„Spezialisierung auf der einen Seite, Differenzierung auf der anderen Seite, werden den Verband beschäftigen. Fortschritte in der Mechanisierung und Rationalisierung werden weiter von Bedeutung sein – auch um Engpässe bei Fachkräften und Saisonarbeitskräften zu überwinden. Ebenso wird über kreative Wege zum Erschließen ergänzender Einnahmequellen, wie z.B. der Oenotourismus, zu sprechen sein“, führte Nickenig weiter aus und erläuterte eine weiteren Schwerpunkt der Leitlinie: „Der DWV wird sich mit Veränderungen gesellschaftlicher Strukturen und den Änderungen des Einkaufs- und Konsumverhaltens beschäftigen. Hierbei werden die neuen Medien in der Branche, beginnend von der Produktion bis zur Weinkommunikation ein wichtiges Arbeitsfeld sein. Eine produktadäquate und kundenorientierte Werbung, Verpackung und Bezeichnung gehören in diesen Fragenkreis. Der DWV wird Gesprächsforen bilden, um Antworten zu finden, wie unsere Qualitäts- und Klassifikationsvorstellungen auf verständliche Art und Weise an die Kunden heran gebracht werden können. Hierzu gehört auch die Überführung unseres traditionellen Qualitätsstufenmodells in eine herkunftsbetonte Weinbezeichnung.“ In diesem Zusammenhang schlug Nickenig vor, mehr auf Leitbilder, als auf Rechtsvorschriften zu setzen.

„Was die Positionierung deutscher Weine in der Zukunft angeht, so verfolgt der DWV weiter die ambitionierten Ziele, die bereits in der Deutsch Wein Vision 2020 formuliert wurden: Im Bereich des mittleren und oberen Preissegments wollen wir hinsichtlich Qualität und Image weltweit Maßstäbe setzen“, sagte Nickenig und betonte: „Wir sind in den letzten Jahren ein gutes Stück vorangekommen, aber wir dürfen in unseren Ambitionen nicht nachlassen.“ 

„Der DWV unterstreicht weiterhin die Notwendigkeit, auf Bundes- und Gebietsebene Institutionen des Gemeinschaftsmarketings zu haben, die solidarisch auf einer gesetzlichen Grundlage finanziert werden. Der DWV betont nicht nur die Existenzberechtigung und Notwendigkeit des DWF, DWI, der DWA und der Gebietsweinwerbungen, sondern unterstützt ausdrücklich die Arbeit, die in diesen Institutionen geleistet wird“, erklärte der Generalsekretär.

„Der DWV wird sich auch im Zeitraum 2014 bis 2020 für das WINEinMODERATION-Programm einsetzen; aus Verantwortung für das eigene Produkt und in Verantwortung für die Kunden, aber auch in hohem Eigeninteresse, das Image der deutschen Weine als Kulturprodukt zu positionieren“, sagte er und hob auch hervor:

„Der DWV begrüßt und unterstützt die neuen Akzente, die von der jungen Generation im Weinbau, in der Kellerwirtschaft und in der Vermarktung gesetzt werden. Der DWV setzt darauf, dass sich Vertreter der jungen Generation verstärkt in die Arbeit der berufsständischen Organisationen mit einbringen.“

Gleiches gelte auch für die Frauen in der Weinbranche, die in den Gremien und erst recht in Führungspositionen völlig unterrepräsentiert seien, fuhr Nickenig fort. Der DWV wolle in Zusammenarbeit mit Vinissima das Wissen und Können der Frauen in der Branche stärker zur Geltung zu bringen.

Der DWV erwarte, dass sich die Weinbranche im Zeitraum 2014 bis 2020 zunehmend mit Fragen konfrontiert sieht, die direkt oder indirekt durch den verstärkten globalen Wettbewerb, durch die „Mediatisierung“ unserer Wirtschaft und Gesellschaft und der damit zusammenhängenden Verhaltensänderung der Verbraucher, aber auch durch Ausflüsse von Klimaveränderungen und Witterungsextremen ausgelöst werden, erläuterte der Generalsekretär.

Dabei habe er den Eindruck, dass die Herausforderungen durch die Klimaveränderungen und durch die Globalisierung eher vorstellbar und vorhersehbar seien, als die Veränderungen unserer Lebens- und Arbeitswelt durch den sich immer mehr beschleunigenden Prozess der medialen neuen Welten. Dennoch werden Boden-, Wasser, Energie zu Kernfragen der weinbaulichen Tätigkeiten im Zeitraum 2014 – 2020. Neue Medien und neue Technologien, die heute bereits in Umrissen erkennbar seien, müssten weiter entwickelt werden, um diese Herausforderungen zu meistern. Forschung und Innovation, Aus- und Weiterbildung seien für den DWV die Schlüssel für die Gestaltung der Zukunft. „Die Branche braucht weiterhin vor allem eine praxisorientierte Forschung“, betonte Nickenig und erklärte: „Der Deutsche Weinbauverband wird im Zeitraum 2014 – 2020 versuchen, sein internationales Netzwerk in der Branche zum Austausch von Erfahrungen, von Informationen, von wissenschaftlichen Erkenntnissen und zur Vertretung berufsständischer Interessen weiter auszubauen. Gerade in einer erweiterten Europäischen Union sind nach Überzeugung des Generalsekretärs regelmäßige Kontakte zwischen den europäischen Weinbauorganisationen wichtiger denn je, aber auch Kontakte zu außereuropäischen Organisationen. Die aktive, gestaltende Mitwirkung beim europäischen Dachverband COPA-COGECA wird umso wichtiger, je mehr Weinbaufragen in horizontale Rahmenordnungen eingegliedert werden. Der DWV und seine regionalen Untergliederungen werden die Versammlung der Europäischen Weinbauregionen (AREV) weiterhin unterstützen, eine Plattform des überregionalen Dialogs zu bilden. Aber es ist ebenfalls nötig, den Dialog aller Branchenbeteiligten, also auch zwischen Erzeugern, Abfüllern und Vermarktern, sowohl auf der internationalen, europäischen und deutschen Ebene zukunftsorientiert zu gestalten und die Möglichkeiten gemeinsamer Aktivitäten und Positionen auszuloten. Ein wesentliches Element in dieser brückenschlagenden Strategie des Verbandes ist die Ausrichtung des Deutschen Weinbaukongresses in Verbindung mit der Fachmesse INTER­VITIS INTERFRUCTA alle drei Jahre. Die nächste Veranstaltung wird im November 2016 sein.“

Seit seiner Gründung im Jahr 1874 organisiert der DWV Weinbaukongresse, um zwischen Wissenschaft, Forschung, Zulieferindustrie und Praxis neueste Erkenntnisse und Erfahrungen auszutauschen und Innovationen anzustoßen. „Hierbei ist heute der internationale Austausch wichtiger denn je!“, sagte der Generalsekretär.