Wein-Design: Kann Deutschland die Globalisierung des Geschmacks stoppen?

Am 19./20. Dezember wird der EU-Ministerrat entscheiden, ob er dem EU-US-Weinabkommen in der von der EU-Kommission ausgehandelten Form zustimmt oder Nachbesserungen fordert. Der Deutsche Weinbauverband ist nach den Ausführungen seines Generalsekretärs Dr. Rudolf Nickenig mit dem Verhand­lungsergebnis überhaupt nicht zufrieden und erwartet Nachteile für die europäischen Winzer und Verbraucher. Der DWV hat da­her die Bundesregierung aufgefordert, sich im Vorfeld der Rats­tagung nochmals an die übrigen EU-Mitgliedstaaten zu wenden, um gemeinsam Nachbesserungen zu fordern.

Am 19./20. Dezember wird der EU-Ministerrat entscheiden, ob er dem EU-US-Weinabkommen in der von der EU-Kommission ausgehandelten Form zustimmt oder Nachbesserungen fordert. Der Deutsche Weinbauverband ist nach den Ausführungen seines Generalsekretärs Dr. Rudolf Nickenig mit dem Verhand­lungsergebnis überhaupt nicht zufrieden und erwartet Nachteile für die europäischen Winzer und Verbraucher. Der DWV hat da­her die Bundesregierung aufgefordert, sich im Vorfeld der Rats­tagung nochmals an die übrigen EU-Mitgliedstaaten zu wenden, um gemeinsam Nachbesserungen zu fordern.

Ein wesentlicher Streitpunkt ist das Grundverständnis von Wein. Der DWV setzt sich für eine internationale Norm ein, um das Er­zeugnis und die Methoden seiner Herstellung zu definieren. Hierfür gibt es bereits eine internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV) mit Sitz in Paris, aus der die USA im Jahre 2001 ausgetreten sind.

Die USA fordern eine gegenseitige Anerkennung von nationalen Normen. Wenn die EU dies den USA – wie im Abkommen vorge­sehen – zugesteht, dann werden dies auch andere Weinbaulän­der fordern („Meistbegünstigungsprinzip der WTO“). Dies wird zu Wettbewerbsverzerrungen für die europäischen Erzeuger und zu fehlender Transparenz für die Verbraucher führen. Im Abkom­men ist ausdrücklich ausgeschlossen, dass unterschiedliche Herstellungsverfahren gekennzeichnet werden können.

In den USA sind eine Reihe von Herstellungsverfahren zugelas­sen, die in der Europäi­schen Union verboten sind. Hierzu zählt u.a. der Zusatz von Wasser in den Wein, der bereits im allge­meinen Sprachgebrauch („jemand Wasser in den Wein gießen“) als Missetat gebrandmarkt wird. In den USA sind aber auch in­dustrielle Herstellungsverfahren wie die „spinning cone column“ zugelassen, die nachhaltig in die Zusammensetzung des Weines eingreifen und seine Geruchs- und Geschmacksstoffe nach ge­wünschter Rezeptur verändern.

Der Deutsche Weinbauverband wendet sich nicht gegen tech­nologischen Fortschritt in der Weinherstellung, aber er lehnt eine industrielle Weinproduktion ab, die Wein nicht mehr als landwirt­schaftliches Naturprodukt, geprägt durch Boden, Klima und Pflege des Winzers im Weinberg, begreift.

Der zweite grundsätzliche Streitpunkt sind die Weinbezeichnun­gen und der Schutz der Herkunftsbezeichnungen. In den USA werden einige europäische Herkunftsbezeichnungen, wie z.B. Chablis, Champagner oder Rhein und Mosel missbräuchlich für ame­rikanische Weine verwendet. Der DWV setzt sich seit lan­gem dafür ein, dass die deutschen und europäischen Herkunfts­bezeichnungen international und insbesondere in den USA ge­schützt werden. Die amerikanische Regierung lehnt diesen um­fassenden Schutz ab. Im Abkommen sind vage Absichtserklä­rungen und kleine amerikanische Zugeständnisse enthalten, die aus Sicht des DWV unzureichend sind. Im Abkommen ist vorge­sehen, dass die offenen Fragen in einer zweiten Verhandlungs­phase (beginnend 90 Tage nach der Unterzeichnung) geklärt werden sollen. Der DWV bezweifelt, dass die USA in der zweiten Phase zu Zugeständnissen bereit sein werden, wenn sie mit der Unterzeichnung des Abkommens bereits in der ersten Phase ihre Hauptanliegen durchgesetzt haben.

Der DWV betrachtet es als kennzeichnend für die schlechte Ver­handlungsleistung der EU-Kommission, dass die deutschen Spezialitäten BA, TBA und Eisweine, die zu den höchst bewer­teten Weißweinen weltweit gehören, im EU-US-Abkommen nicht verankert sind, sondern zu den offenen Punkten zählen. Diese edelsüßen Spezialitäten haben einen Alkoholgehalt, der unter dem Mindestsatz in den USA liegt. Da im EU-US-Abkommen keine rechtliche Anerkennung der EU-Vorschriften für diese Spe­zialitäten erfolgte, könnten die amerikanischen Behörden eine Einfuhr dieser Weine verbieten.

Nachdem das Europäische Parlament sich sehr kritisch zu dem ausgehandelten EU-US-Abkommen geäußert hat und die Erzeu­gerorganisationen in allen europäischen Weinbauländern das Abkommen in dieser Form ablehnen, hofft der DWV, dass der EU-Ministerrat das ausgehandelte Abkommen ernsthaft prüft und Nachbesserungen einleitet. Der DWV unterstreicht, dass auch die deutschen Winzer und insbesondere die Weinexporteure an einem fairen Abkommen mit der USA interessiert sind, da der deutsche Weinexport in die USA sich sehr positiv entwickelt. Die Renaissance des deutschen Rieslings ist eng mit den hervorra­genden Ausfuhrergebnissen in die USA verknüpft.