Trauben sind keine Kartoffeln Scharfe Kritik europäischer Weinbauorganisatio­nen an EU-Kommission

Auf dem weinbaupolitischen Kongress des Deutschen Wein­bauverbandes in Berlin hat der Vertreter des französischen AOC-Verbandes, der für die Qualitätsweinbaugebiete spricht, die vorgesehene Integration des EU-Weinrechtes in das allge­meine Agrar-Regelwerk scharf kritisiert. Das Kommissionsvor­haben werde den besonderen Anforderungen des Weinbaus nicht gerecht.

Auf dem weinbaupolitischen Kongress des Deutschen Wein­bauverbandes in Berlin hat der Vertreter des französischen AOC-Verbandes, der für die Qualitätsweinbaugebiete spricht, die vorgesehene Integration des EU-Weinrechtes in das allge­meine Agrar-Regelwerk scharf kritisiert. Das Kommissionsvor­haben werde den besonderen Anforderungen des Weinbaus nicht gerecht. Seiner Kritik schlossen sich die Vertreter aus mehreren anderen europäischen Ländern an. Auch die Ver­sammlung der Weinbauregionen Europas (AREV) hat sich in gleicher Weise geäußert. Norbert Weber, Präsident des Deut­schen Weinbauverbandes, appellierte an Bundesminister Horst Seehofer, sich in Brüssel für die Aufrechterhaltung der Spezifität des europäischen Weinrechtes einzusetzen. Bei der Vorlage der Reformvorschläge im Jahre 2006 hatte die EU-Kommissarin noch zugesagt, die Eigenständigkeit des euro­päischen Weinrechtes zu wahren. Wenig später war Frau Fi­scher Boel von ihrer Zusage abgerückt, offenbar mit Rücken­deckung der meisten Landwirtschaftsminister, denen der unter­schiedliche Regelungsbedarf von Kartoffeln und Wein ver­schlossen blieb. „Die Zusammenfassung aller landwirtschaftli­chen Marktorganisationen in einer Verordnung ist kein Akt der Entbürokratisierung, sondern ein Akt der Rechtsverwirrung“, kritisiert der DWV-Präsident. Sollten die Agrarminister und die EU-Kommission gegen jede Vernunft die Eingliederung des Weinrechtes in die eine Agrarmarktorganisation durchsetzen, dann führt dies zur Unlesbarkeit und Intransparenz der Brüs­seler Weinvorschriften. Versprochen war eine Vereinfachung und ein leichterer Zugang für die Rechtsunterworfenen. Der vorgelegte Entwurf der EU-Kommission wird daher vom DWV wie von den Kollegenverbänden weiterer EU-Mitgliedstaaten nachdrücklich abgelehnt!