„Reform der EG-Weinmarktorganisation“: Harsche Kritik des Deutschen Weinbauverbandes am Bericht der EU-Kommission Endgültige Stellungnahme für Anfang Juli ange­kündigt

Heute stellte MAriann Fischer Boel in einer Pressekonferenz die Reformpläne Kommission betüglich der europäischen Weinmarktes vor. Der Deutsche Weinbauverband wird den Bericht der EU-Kom­mission bis Anfang Juli sorgfältig prüfen und anschließend Stellung beziehen. Sollte sich der Bericht nicht oder nur unwe­sentlich von den vorab bekannt gewordenen Überlegungen der EU-Kommission unterscheiden, dann wird der Deutsche Wein­bauverband massive Kritik üben.

Der Deutsche Weinbauverband wird den Bericht der EU-Kom­mission bis Anfang Juli sorgfältig prüfen und anschließend Stellung beziehen. Sollte sich der Bericht nicht oder nur unwe­sentlich von den vorab bekannt gewordenen Überlegungen der EU-Kommission unterscheiden, dann wird der Deutsche Wein­bauverband massive Kritik üben.

 

Denn die EU-Kommission verkauft mit ihrer Reformpolitik die europäischen Erzeuger zum zweiten Mal an die Übersee-Weinproduzenten, wie sie es auch im Falle des EU-US-Ab­kommens getan hat. 40% der verfügbaren Mittel will sie für ein fünfjähriges Rodungsprogramm ausgeben, das bei einem freien Welthandel zu noch mehr Importen aus Übersee führen wird. Statt dessen wären Maßnahmen zur Steigerung der Wettbe­werbsfähigkeit und für eine Exportoffensive erforderlich. Die Kommission will statt dessen die Importe fördern, indem sie in der EU die Herstellung von Wein aus importierten Mosten er­lauben will. Dies ist bisher ebenso verboten, wie der Verschnitt von Drittlandsweinen mit europäischen Weinen. Auch das will sie gestatten. Der Deutsche Weinbauverband lehnt diese Vor­schläge der EU-Kommission in aller Schärfe als Schädigung der deutschen und europäischen Erzeugerinteressen ab. Das vorgeschlagene Verbot der Saccharose-Anreicherung stößt ebenfalls auf harsche Kritik der deutschen Winzer. Sie verwei­sen darauf, dass die Produktion in den europäischen Weinbau­regionen, in denen die Saccharose-Anreicherung (Chaptalisie­rung) zugelassen ist, z.B. Qualitätsweinbauregionen in Frank­reich, Deutschland, Luxemburg, Österreich, Tschechien, Un­garn, nicht angestiegen ist. Hingegen ist die Produktion in eini­gen südeuropäischen Weinbauregionen durch die mit EU-Bei­hilfen geförderte Anreicherung mittels Mostkonzentraten ange­stiegen, wie die EU-Kommission in ihrem Bericht selbst fest­stellt. Logisch wäre es, deshalb die Beihilfe für die Mostkon­zentratverwendung zu streichen. Unlogisch und widersprüchlich bezeichnet der DWV das von der EU-Kommission geforderte Saccharose-Verbot auch aus anderer Perspektive: Die Kom­mission schlägt vor, die önologischen Verfahren zu liberalisie­ren und will andererseits ein traditionelles önologisches Verfah­ren für die Anreicherung verbieten. Sie kritisiert, dass Saccha­rose kein weineigener Stoff ist und lässt gleichzeitig den Zusatz von Holzspänen und nicht weineigenen Säuren zu. Wenn die EU-Kommission nicht bereit ist, diese Vorschläge total zu revi­dieren, erwartet der Deutsche Weinbauverband, dass die Bun­desregierung gemeinsam mit den übrigen betroffenen Wein­bauländern die EU-Kommissionsvorschläge generell blockiert.

 

Der Deutsche Weinbauverband verweist auf seine Stellung­nahme von Mai 2006 und auf die Positionspapiere der europäischen Organisationen COPA COGECA und AREV.

 

Die Verteidigung des EU-Weinbudgets ist für ihn keine heilige Kuh. Das Budget hat für den DWV nur dann seine Berechtigung, wenn es im Sinne der Subsidiarität größtenteils für Regionalprogramme in der Verantwortung der Mitgliedstaa­ten eingesetzt wird. Die Verteilung soll entsprechend dem Pro­duktions- oder notfalls dem Rebflächenschlüssel erfolgen. Die­jenigen, die bisher die EU-Gelder für die Überschussbeseiti­gung abgesahnt haben, dürfen keinen Anspruch auf eine „histo­rische Verteilung“ erheben. Die Mitgliedstaaten sollen aus einem Katalog die Instrumente auswählen können, die sie für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit ihrer Winzer am ge­eignetesten ansehen. Der Deutsche Weinbauverband lehnt eine Verschwendung von EU-Geldern für Destillationsmaß­nahmen für Tafelweine und für Rodungsprogramme total ab. Ein Knackpunkt für den DWV ist die Frage der Struktur- und Absatzförderung.