Mitgliederversammlung 2011 des Deutschen Weinbauverbandes DWV-Präsident gibt Bericht zur Lage - Sperrfrist 25.5. - 15.00h

SPERFFRIST 25.5.2011 15 Uhr DWV-Präsident Weber nutzte die öffentliche DWV-Tagung, um wichtige Themenfelder der aktuellen verbandspolitischen Arbeit und DWV-Positionen vorzustellen.

SPERFFRIST 25.5.2011 15 Uhr

Anlässlich der Mitgliederversammlung des Deutschen Wein­bauverbandes am 25. Mai 2011 in Berlin zeigte sich DWV-Präsident Norbert Weber beeindruckt vom diesjährigen frühen Vegetationsstand der Reben. Mit derzeit gut zwei Wochen Vor­sprung gegenüber einem Normaljahr setzt die Rebblüte in den deutschen Weinbaugebieten so früh wie selten ein. Dieser frü­he Zeitpunkt ist eine markante Weichenstellung in der Reben­entwicklung und nährt die Erwartung auf einen guten Qualitäts­weinjahrgang 2011. Dass die Stimmungdennoch etwas ge­dämpft ist, liegt an den Eisheiligen, die Anfang Mai in manchen Regionen an frischen Rebtrieben zu Frostschäden führten.

Auf dem deutschen Weinmarkt zeigt sich dieNachfrage nach Wein insgesamt stabil. Die Winzer hoffen nun darauf, dass die Weiterentwicklung der Weinreben und -trauben günstig ver­läuft und keine Stolpersteine mehr in den Weg gelegt werden. Die aktuellen Vegetationsbedingungen sind für die Entwicklung eines qualitativ guten Weinjahrgangs 2011 günstig; die Ernte­menge scheint dagegen schon jetzt begrenzt zu sein. Nach dem im Vorjahr die Ernte mit nur sieben Millionen Hektolitern Wein rund 25 Prozent kleiner als normal ausfiel, drücken jetzt alle die Daumen dafür, dass trotz der frostbedingten Ausfälle das Erntevolumen 2011 vielleicht doch noch einigermaßen an das Niveau einer Normalernte herankommt. Denn nur dann wird es möglich sein, das gute Verbraucherinteresse fürdeutsche Weine im In- und Ausland in allen Marktsegmenten durchgängig bedienen zu können. Im Zusammenhang mit den Frostschäden sprach sich Weber dafür aus, Alternativen im Bereich des Steuerrechts und im Versicherungssektor zu prüfen, um von Ernteausfällen betroffenen Betrieben helfen zu können.

DWV-Präsident Weber nutzte die öffentliche DWV-Tagung, um wichtige Themenfelder der aktuellen verbandspolitischen Arbeit und DWV-Positionen vorzustellen.

Winzerausbildung

Die Nachwuchswerbung gewinnt in Zeiten des demogra­phi­schen Wandels und eines zunehmenden branchenüber­grei­fendenWettbewerbs um gut vorqualifizierte Auszubildende im­mer mehr an Bedeutung. Hier gilt es, sowohl für den Weinbau, als auch für den Agrarsektor insgesamt, mit leider allzu oft noch bestehenden Vorurteilen in der Gesellschaft aufzuräumen und für die heute modernen, attraktiven Ausbildungsmöglichkeiten und Berufschancen im Wein- und im Agrarsektor mehr Aufmerk­samkeit zu erreichen. Die Struktur der Weinwirtschaft ist von vielen kleinen Betriebsgrößen geprägt, womit einer eigen­ständigen Finanzierung von Aus- und Fortbildungs­kapa­zitäten enge Grenzen gesetzt sind. Norbert Weber machte deshalb deutlich, dass die Unterstützung durch den Staat für eine gut ausgestattete Forschung und Lehre nach wie vor von zentraler Bedeutung ist. Nur mit einem bestmöglich qualifi­zierten berufsständischen Nachwuchs sind neue Heraus­forde­rungen auch zukünftig gut zu bewältigen.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist kein neues, sondern ein sich weiter ent­wickelndes Thema für die Weinwirtschaft. Aktualisierte Eck­punkte dazu wurden mit einer DWV-Entschließunganlässlich des 60. Weinbaukongress in 2010 verabschiedet. In den deut­schen Weinbauregionen ist man derzeit damit befasst, Nach­haltigkeit nicht nur allgemein, sondern unter Einbeziehung ins­besondere regionalspezifischer Besonderheiten fortzufüh­ren.

Pflanzenschutz

Mit zunehmender Zuckerkonzentration in den Traubenbeeren nimmt auch deren Gefährdung durch Schadorganismen zu. Gleichzeitig sind für die Erzeugung ansprechender Weinqualitä­ten einwandfreie Traubenqualitäten eine grundlegende Vor­aus­setzung. Dem Pflanzenschutz kommt deshalb eine wichtige Bedeutung zu. Da Schaderregerpopulationen sich nicht zuletzt auch unter dem Einfluss des Klimawandels verändern, sind die heutigen Herausforderungen für den weinbaulichen Pflanzen­schutz vielfältiger geworden. Helfen können hier keine starren Pflanzenschutzkonzepte, sondern Flexibilität, um den variablen Herausforderungen besser begegnen zu können. Der Deutsche Weinbauverband fordert daher, die Verfügbarkeitspalette von Pflanzenschutzmitteln nicht überzogen einzuschränken. In der EU ist man bemüht das Pflanzenschutzrecht zu harmonisieren, also für alle Mitgliedsstaaten einheitliche Rechtsgrundlagen zum Pflanzenschutz zu etablieren. Dazu ist das EU-Pflanzen­schutzpaket in allen Mitgliedstaaten umzusetzen. Vor diesem Hintergrund legte DWV-Präsident Weber Wert darauf, dass bei der Umsetzung der europäischen Vorgaben auch in Deutsch­land auf ein 1:1-Niveauzu achten ist und nicht mit deutscher Gründlichkeit noch draufgesattelt wird. Auch den Erhalt der Möglichkeit zur Hubschrauberspritzung im Steillagenweinbau sprach Weber an. Die natürlichen Standortunterschiede zwi­schen Steil- und Direktlagen haben gravierende ökono­mische Auswirkungen. Der Steillagenweinbau ist mit einem an sich schon erhöhten Arbeitsaufwand und damit auch Kosten­aufwand konfrontiert, der nicht noch verschärft werden darf, wenn man die attraktive Kulturlandschaft des Steillagen­weinbaus, die jedes Jahr Millionen Besucher in ihren Bann zieht, erhalten will.

Pflanzrechtesystem

Als zentrales Anliegen des Verbandes bezeichnet DWV-Prä­sident Weber die Fortführung des Pflanzrechtesystems über En­de 2015 bzw. 2018 hinaus. Eine Aufhebung dieses Systems hätte fatale Folgen für den deutschen Weinbau wie u.a. den Ver­lust prägender Weinkulturlandschaften. Um für die Wein­baubetriebe Planungssicherheit zu schaffen und negative Aus­wirkungen auf die spürbar positiven Impulse der Wein­markt­reform 2008 zu vermeiden, sollte so schnell wie möglich ein weiterer Fortbestand der Pflanzrechteregelungen (bis 2025) ge­währleistet werden. Als positives Signal für eine Durch­setzung dieses Anliegens wertet es Weber, dass dieses An­liegen mitt­ler­weile von neun weiteren EU-Mitgliedstaaten unter­stützt wird.

Weinbezeichnungsrecht

Bezüglich der Umsetzung des neuen EU-Weinbezeichnungs­rechts in das nationale Recht sei ausdrücklich zu begrüßen, dass Bund und Länder den vom DWV entwickelten Vorschlag für ein integrales Bezeichnungsrecht, das die Elemente des romanischen und germanischen Rechts zusammenführt und Herkunftsangaben mit einer Qualitätsaussage verbindet, aufge­griffen haben. Mit dem integralen Ansatz wird festgelegt, dass das Anbaugebiet bzw. das Landweingebiet obligatorisch auf dem Etikett stehen müssen, auch für Weine, die nach dem neuen Antragsverfahren als „geschützte Ursprungs­bezeich­nung“ oder „geschützte geographische Angabe“ anerkannt werden. Die beiden neuen Begriffe können fakultativ auf dem Etikett angegeben werden. „Ein Nebeneinander von zwei Be­zeich­nungssystemen würde den Zielvorstellungen des refor­mierten Bezeichnungsrechts nicht entsprechen und zu Wett­bewerbsverzerrungen und Verunsicherungen bei den Verbrau­chern führen!“, so der DWV-Präsident. Nach den Worten Webers setzt sich der DWV dafür ein, dass den Ländern über eine Änderung des Weingesetzes die Möglichkeit eröffnet wird, an die Verwendung engerer Herkunftsangaben (Bereiche, Gemeinden, Lagen) qualitativ höhere Anforderungen fest­zulegen. Hierin sieht Weber ein wichtiges Instrument, um kleinere Herkünfte zu profilieren. Daher sei es wichtig, diese Ermächtigung so schnell wie möglich, gegebenenfalls über eine Initiative des Bundesrates, im Weingesetz zu verankern. Schließlich setze sich der DWV dafür ein, dass von einer Ermächtigung im Weinrecht Gebrauch gemacht wird, für Weine ohne geschützte Herkunftsangabe die Angabe bestimmter Rebsorten auf dem Etikett auszuschließen. Weber: „Das Image bestimmter Anbaugebiete oder Bereiche ist eng mit bestimmten Rebsorten verbunden, so dass die Angabe dieser Rebsorten für einfache Weine mit der Bezeichnung „Deutscher Wein“ der Profilierung der Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung abträglich ist.“

Branchenorganisationen

Bei einer möglichen Aufgabenreduzierung der öffentlichen Ver­waltung im Weinsektor und im Zusammenhang mit der Ver­waltung geschützter Ursprungsbezeichnungen bzw. ge­schütz­ter geographischer Angaben kann das Thema „Branchen­organisationen“ laut Weber in Zukunft auch in Deutschland durchaus an Bedeutung gewinnen. Daher werde sich der DWV verstärkt mit diesem Thema auseinandersetzen.

Gemeinschaftsmarketing

Zum Schluss seiner Ausführungen kommt er auf das Thema „Ge­meinschaftsmarketing“ zu sprechen, wobei er erfreut fest­stellt, dass bisher alle Klagen gegen die Heranziehung zur Abgabe für den Deutschen Weinfonds und die regionalen Wein­werbeorganisationen abgewiesen wurden. „Nach wie vor halte ich den Fortbestand eines regionalen und nationalen Gemeinschaftsmarketings auf der Basis einer öffentlich-rechtli­chen Regelung mit einer Finanzierungsverpflichtung der Betrof­fenen für unverzichtbar. In diesem Sinne gilt mein Dank allen Wirtschaftsbeteiligten, die den Erhalt des Gemeinschafts­marke­tings unterstützen.“, so abschließend DWV-Präsident Weber.