Kritisch gegenüber Brüsseler GAP-Reform, aber zufrieden mit deutschem Weinbau und der Weinvermarktung

Pressemitteilung vom 20. Juni 2013

Der Präsident des Deutschen Weinbauverbandes (DWV), Norbert Weber, eröffnete heute die Vortragsveranstaltung des Verbandes in Deidesheim mit einem erfreuten Blick auf den Vegetationsstand in den Weinbergen und die aktuelle Situation der Vermarktung deutscher Weine. 

„In dieser Woche hat die Rebblüte in den Anbaugebieten eingesetzt. Üblicherweise ist ca. einhundert Tage später mit dem Beginn der Ernte des neuen Weinjahrgangs zu rechnen. Die Aussichten dafür werden derzeit als günstig eingestuft. Trotz des witterungsbedingt zunächst verhaltenen Starts in die Vegetationsperiode haben der gute Gesundheitszustand der Reben und die üppige Wasserversorgung den Grundstein dafür gelegt, dass der Entwicklungsfortschritt angesichts der derzeit hochsommerlichen Witterung beschleunigt verlaufen kann und der im Frühjahr entstandene Rückstand dahinschmilzt.“, führte der DWV-Präsident aus.

Auch mit der Marktsituation zeigte sich Weber sehr zufrieden. Die Weinnachfrage auf dem Inlandsmarkt erreichte insgesamt zwei Milliarden Liter und hat damit das hohe Niveau des Vorjahres bestätigt. Deutscher Wein erfreut sich auf dem deutschen und dem internationalen Absatzmarkt einer hohen Wertschätzung und soliden Nachfrage.

Zur anstehenden Reform der einheitlichen GMO der Agrarmärkte, und hier insbesondere der künftigen Ausgestaltung der Anbauregelung, äußerte Weber die Erwartung, dass sich das Europäische Parlament und der Ministerrat als Ergebnis der Trilogberatungen Ende Juni auf einen tragfähigen Kompromiss verständigen werden. In diesem Zusammenhang erneuerte der DWV-Präsident einige Kernforderungen des Deutschen Weinbauverbandes. So müsse die Geltungsdauer des neuen Autorisierungssystems entgegen den Vorstellungen von Ministerrat und EU-Kommission über Ende 2024 hinaus bis Ende 2030 festgeschrieben werden, da es keinerlei Sinn habe, ein neues System bereits kurz nach seiner Einführung wieder auslaufen zu lassen. Zudem müssen die Mitgliedstaaten dazu in die Lage versetzt werden, Kriterien für die Gewährung von Autorisierungen auch für den Fall festzulegen, dass die jährlich festgelegte Zuwachsrate zu gewährender Autorisierungen nicht erreicht wird. Hierzu stellte er fest, dass ein aktueller Textvorschlag zu dem Stand der Trilogberatungen Aufweichungen gegenüber dem Ministerratsbeschluss vorsehe und die diesbezüglichen Möglichkeiten der Mitgliedstaaten wesentlich einschränke.

„Offensichtlich versucht die EU-Kommission hier ihre ursprüngliche Linie durchzusetzen, die den Mitgliedstaaten bezüglich der Festlegung von Kriterien für die Genehmigung von Neuanpflanzungen möglichst wenig Handlungsspielraum einräumen will. Der DWV fordert daher mit allem Nachdruck, dass der Ministerratsbeschluss in diesem Punkt eins zu eins umgesetzt wird und sich Rat und Europäisches Parlament diesbezüglich nicht von der Kommission über den Tisch ziehen lassen!“, so der DWV-Präsident.

Den Ein-Prozentsatz Zuwachsrate für Neuanpflanzungen bezeichnet Weber als realistischen Kompromiss, zumal die Mitgliedstaaten dazu ermächtigt würden, einen niedrigeren Prozentsatz festzulegen.

Weiterhin führte Weber aus, dass der DWV die Forderung des Europäischen Parlaments, das Weinbaustützungsprogramm um ein spezifisches Steillagenförderprogramm zu ergänzen, nachdrücklich unterstütze. Zudem solle diesbezüglich die Möglichkeit einer Kofinanzierung durch die Mitgliedstaaten ermöglicht werden, wie sie bereits auch bei anderen Förderprogrammen bestehe.