EU-Bezeichnungsrecht - Herkunftsangaben gewinnen bei Wein an Bedeu­tung!

Auf dem badischen Weinbautag setzte sich der Gene­ralsekre­tär des Deutschen Weinbauverbandes, Dr. Rudolf Nickenig, heute mit der nationalen und regio­nalen Umsetzung des neuen EU-Bezeichnungsrechts auseinander.

Nickenig unterstrich die Bedeutung der Herkunfts­angaben als wichtigstes Differenzierungskriterium in einem globalisierten Weinmarkt. „Grauburgunder kommen unter deutscher Bezeich­nung oder als Pinot Gris oder Pinot Grigio aus aller Herren Länder ins Re­gal unserer Lebensmittel- und Weinläden. Die geogra­fische und qualitätsmäßige Unterscheidung der Reb­sortenweine gelingt nur durch geschützte Herkunfts­angaben, insbesondere durch die Bezeichnung des Anbaugebiets, also z.B. Baden!“ Nickenig machte deutlich, dass in Folge des ge­teilten Weinmarktes – mit einer großen Nachfrage nach un­komplizierten All­tagsweinen und einer Liebhabernachfrage nach Wein­spezialitäten - sowohl ein alternatives Angebot an leicht verständlichen Weinen aus großräumigen Her­künften (Anbaugebiete, Bereiche) als auch aus klein­räumigeren Her­künften (Lagen und Gemeinden) not­wendig sei.

Der DWV-Generalsekretär stellte in seinem Vortrag den Stand der Umsetzung der neuen Vorgaben aus Brüssel in das na­tionale Recht dar. Zwei Faktoren haben nach seinen Worten die Reform wesentlich ge­prägt: Erstens der Druck aus der Neuen Welt, das alte Bezeichnungssystem in der EU mit einer Unterschei­dung von Tafelweinen und Qualitätsweinen abzu­schaffen und insbesondere einfache Weine mit Reb­sortenan­gabe zuzulassen, was nach altem Recht nicht erlaubt war. Zweitens das Brüsseler Bestreben, das spezifische Weinrecht in das allgemeine Bezeich­nungsrecht für alle Agrar- und Le­bensmittelerzeug­nisse einzuordnen. „In Brüssel wollte und will man nicht verstehen, dass Wein im Gegensatz zu Kraut und Rüben ein Kulturgut ist, dass spezifische Rege­lungen bedarf!“ beklagte Nickenig die Brüsseler Uni­formierungssucht, die aber wohl unumkehrbar sei.

Das neue EU-Bezeichnungsrecht unterscheidet laut Nickenig nicht mehr nach der Qualitätsstufe des Weins, sondern nach Herkunftskriterien: „Weine ohne geschützte Herkunftsangabe (aber immerhin: „Deutscher Wein“ oder „Wein aus der Europäi­schen Gemeinschaft“) und Wein mit geschützter Herkunfts­an­gabe. Hierbei gibt es zwei Klassen: Weine mit „ge­schützter Ur­sprungsbezeichnung“ und Weine mit „ge­schützter geografi­scher Angabe“. Erstere müssten strengere Kriterien erfüllen.

Laut Nickenig hat die EU ein neues Verfahren eröff­net, dass Erzeuger für genau abzugrenzende geogra­fische Räume eine dieser beiden Bezeichnungen be­antragen können. Wie auf­wendig und bürokratisch sich dieses Verfahren entwickele, müsse abgewartet werden.Nickenig: „Die Namen unserer An­baugebiete sind automatisch als „geschützte Ursprungsbe­zeichnung“ und die Namen unserer Landweingebiete als „ge­schützte geografische Angabe“ anerkannt worden. Die Na­men der kleineren Herkünfte, also La­gen-, Orts- und Bereichs­namen, dürfen weiter zusätz­lich bei den Weinen mit geschütz­ter Ursprungsbe­zeichnung verwendet werden.

Nach der EU-Weinmarktreform haben – so Nickenig - die deut­sche Weinwirtschaft, Bund und Länder vor der Frage gestan­den, wie die neuen Brüsseler Vorgaben ins nationale Recht umgesetzt werden können. Nach intensiven Diskussionen ha­ben sich alle Beteiligte darauf verständigt, die Elemente aus dem romani­schen Agrarrecht und dem deutschen Wein­be­zeich­nungsrecht nicht nebeneinander herlaufen zu las­sen, sondern ein integrales Bezeichnungssystem zu entwi­ckeln. Hierbei kam es zu einer Umkehr der bishe­rigen Quali­täts-Herkunfts-Relation: Bisher stand die Qualitätskategorie im Vordergrund und die Herkunfts­angabe in zweiter Linie. In Zu­kunft müssen Weine, um eine bestimmte Herkunft tragen zu dürfen, festgelegte qualitative Mindestvoraussetzungen erfül­len!

Die Herkunft steht jetzt stärker im Vordergrund. Mit dem integ­ralen Ansatz wird festgelegt, dass das An­baugebiet bzw. das Landweingebiet sowie eine Qualitätsangabe obligatorisch auf dem Etikett stehen müssen, auch für die Weine, die nach dem neuen An­tragsverfahren als „geschützte Ursprungsbezeich­nung“ oder „geschützte geografische Angabe“ aner­kannt wer­den. Die beiden neuen Begriffe können fa­kultativ auf dem Eti­kett verwendet werden. Nickenig: „Die zukünftige Wertigkeit dieser beiden Begriffe für den heimischen Markt steht in den Sternen. Für den Exportmarkt haben Exporteure ein Interesse daran, die englische Sprachfassung „protected designation of origin“ zu verwenden.“

Nach den Worten Nickenigs setzt sich der DWV mit starker Unterstützung aus Baden-Württemberg für eine Bundesratsini­tiative ein, damit im deutschen Weingesetz den Weinbau trei­benden Bundesländern die Möglichkeit eröffnet wird, für en­gere Herkunfts­angaben (Bereiche, Gemeinden, Lagen) qua­litativ hö­here Vorgaben zu machen. „Dies ist ein wichtiges In­strument um kleinere Herkünfte zu profilieren!“ In Württemberg seien die Vorbereitungen für eine Profi­lierung der Bereiche schon weit gediehen.

Schließlich setze sich der DWV dafür ein, dass von einer Er­mächtigung im Weinrecht Gebrauch gemacht werde, für Weine ohne geschützte Herkunftsan­gabe bestimmte Rebsorten aus­zuschließen. Nickenig: „Das Image bestimmter Anbauge­biete oder Bereiche ist eng mit bestimmten Rebsorten verbun­den, zum Beispiel der Riesling für die Mosel, den Rheingau oder die Ortenau, so dass die Verwendung dieser Rebsor­ten für einfache Weine (mit den erlaubten Bezeich­nungen „Deut­scher Wein“ oder „ Wein aus der Euro­päischen Gemeinschaft“) der Profilierung der Weine mit geschützten Ursprungsbezeich­nungen abträglich ist.“

Hinsichtlich des Zeitplans verwies Nickenig darauf, dass die nationalen Rechtsänderungen noch vor der Sommerpause auf den Weg gebracht und zum Teil (per Wein-Verordnung) sogar beschlossen sein soll­ten.