EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer-Boel besucht Wein­baugebiet Mosel DWV-Generalsekretär Dr. Rudolf Nickenig erläutert deut­sche Haltung zur EU-Weinmarktreform

Der Generalsekretär des Deutschen Weinbauverbandes bewer­tete den Besuch der EU-Agrarkommissarin an der Mosel als Zeichen ihrer Gesprächsbereitschaft über ihre Reformmittei­lung: „Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit im europäischen Wein­sektor“. Er erhofft sich von dem Besuch, dass die EU-Kommis­sarin die deutsche Position aufgrund ihrer persönlichen Ein­drücke vom deutschen Qualitätsweinbau und insbesondere vom Steillagenweinbau an der Mosel besser verstehen kann. Nickenig unterstrich die gemeinsamen Positionen zwischen der Kommissarin und der deutschen Weinwirtschaft: Abschaffung des Destillationssystems von Tafelwein im Süden Europas, Ein­führung eines nationalen Finanzrahmens für regionale Wein­bauprogramme zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und mehr Mittel für Verbraucherinformation über die Vorzüge eines moderaten Weinkonsums.

Nickenig machte aber auch deutlich, dass es noch Meinungs­unterschiede auszudiskutieren gäbe. Hierzu zählt das umfang­reiche Rodungsprogramm der EU-Kommission, das der DWV in den nationalen Finanzrahmen verschieben und mit erheblich weniger Mittel ausstatten will. Für die deutschen Anbaugebiete lehnt Nickenig Rodungsprogramme ab. Mehr Mittel fordert der DWV für die Verbesserung von Erfassungs- und Vermarktungs­strukturen, für Steillagenförderungsprogramme, für Qualitäts­management, für Verbraucherinformation und für Exportinitia­tiven. Die vorgeschlagene totale Liberalisierung der Anpflan­zungen lehnt der DWV ab und fordert statt dessen eine Er­mächtigung für die Mitgliedstaaten, ihre Anbauregeln selbst auszugestalten. Erhebliche Meinungsunterschiede gibt es auch im Bereich der Weinbereitungsmethoden. Die Kommission schlägt ein Verbot der Alkoholanreicherung mit Saccharose vor, der DWV verlangt eine Beibehaltung aus Wettbewerbsgründen. Der DWV verweist u.a. darauf, dass die EU-Kommission die Saccharose-Anreicherung im bilateralen Handelsabkommen mit den USA den amerikanischen Winzern zugestanden hat, dass sie eine Liberalisierung von Weinbereitungsverfahren mit Zulassung von beispielsweise Holzchips betreibt. Das stehe im Widerspruch zum Saccharoseverbot. Scharf kritisiert der DWV die vorgesehen Zulassung von Verschnitten von Drittlandswei­nen mit europäischen Weinen sowie die Herstellung von Wein in Europa aus importierten Drittlandsmosten. Insgesamt kriti­siert der DWV, dass die Vorschläge der Kommission zu defensiv gegenüber den Drittländern seien und es an einer ambitionierten Exportpolitik fehle. Lob fand der DWV-General­sekretär für die EU-Kommissarin für ihre kritische Haltung gegenüber der Alkoholpolitik ihres Kollegen Kyprianou, dessen Weißbuch nach den Beratungen im Kommissionskollegium offensichtlich in wesentlichen Punkten nachgebessert wurde.