Entschließung des Deutschen Weinbauverbandes e.V. (DWV) zur Entalkoholisierung von Weinen und Weinerzeug-nissen

Presseinformation vom 15. Mai 2012

Die aktuellen Diskussionen auf der internationalen und europäischen Ebene veranlassen den DWV, Stellung zu diesem Thema zu beziehen. Der DWV betrachtet die Thematik als eine sehr wichtige weinrechtliche und fachliche Frage, die das Grundverständnis von Wein und Weinerzeugnissen berührt. Wegen der Bedeutung der Thematik sind die diesbezüglichen weinrechtlichen EU-Regelungen in einer Verordnung des EU-Parlaments und des Ministerrats zu erlassen und sollten nicht in Durchführungsbestimmungen der EU-Kommission geregelt werden. Eine automatische 1:1 Übernahme von Resolutionen der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) kann wegen der gesamtwirtschaftlichen und weinbaupolitischen Bedeutung der Thematik nicht in Frage kommen.

 

Der DWV setzt sich dafür ein, dass bei den Beratungen, insbesondere in der OIV, zwischen der technischen und weinrechtlichen bzw. weinbaupolitischen Dimension der Frage differenziert wird. Wenn der technische Fortschritt es möglich macht, mit neuen Entalkoholisierungsverfahren qualitativ bessere Erzeugnisse herzustellen, dann sollte der Weg hierfür eröffnet werden. Die weinrechtliche Dimension umfasst zwei Grundsatzfragen: In welchem Ausmaß dürfen die zur Verfügung stehenden Entalkoholisierungsverfahren eingesetzt und wie dürfen die entalkoholisierten Erzeugnisse bezeichnet werden?

 

Der DWV ist der Auffassung, dass eine Definition von drei Erzeugniskategorien auf internationaler und europäischer Ebene zu erfolgen hat, die im deutschen Weinrecht bereits grundsätzlich vorgesehen sind:

  1. Die alkoholfreien Weine, die maximal einen Alkoholgehalt von 0,5 % vol haben dürfen. Diese Erzeugnisse sind als „alkoholfreier Wein“ zu kennzeichnen. 
    • Die alkoholreduzierten Weine, die nach deutschem Recht einen Alkoholgehalt zwischen 0,5 und 4 % vol haben dürfen. Der DWV setzt sich unter Berücksichtigung der neuen Entwicklungen dafür ein, eine Heraufsetzung des bisher erlaubten Höchstwertes (bis zur generellen Untergrenze des Alkoholgehaltes von „normalen“ Weinen – 8,5 % vol) zu prüfen. Diese Erzeugnisse sind als „alkoholreduzierter Wein“ zu kennzeichnen. 
    • Die Kategorie der („normalen“) Weine, für die grundsätzlich ein Mindestalkoholgehalt von 8,5 % vol festgelegt ist, wobei für Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung ein Mindestalkoholgehalt von 4,5 % vol gilt. Die „normalen“ Weine sind als „Wein“ zu kennzeichnen. 

 

Nach geltendem EU-Recht ist für Wein eine  teilweise Entalkoholisierung unter festgelegten Bedingungen um max. 2 % vol erlaubt, ohne dass die Entalkoholisierung zu kennzeichnen ist. Von vielen Weinbauländern wird sowohl auf internationaler wie auf europäischer Ebene eine weitergehende Reduzierungsmöglichkeit, teilweise sogar eine völlige Freigabe des Umfangs der Entalkoholisierung, gefordert. Der DWV fordert die Bundesregierung auf, sich einer völligen Freigabe der teilweisen Entalkoholisierung von Wein zu widersetzen und max. einer Reduzierung von 3 % vol (alternativ: einer maximal 20 %igen Abreicherung) zuzustimmen, was dem Maximalwert der Alkoholerhöhung in der Weinbauzone A entspricht. Der DWV vertritt die Auffassung, dass die Öffnung des Spektrums von alkoholreduzierten Weinen (ausreichend) neuen Spielraum schafft, um auf die veränderten Konsumentennachfrage nach Erzeugnissen mit geringen Alkoholgehalten zu reagieren.