DWV-Präsident Norbert Weber spricht auf dem Moselwein­bautag in Kröv über aktuelle Weinbauthemen

„Deutsche Weinbaupolitik unter Berücksichtigung der Reform der EU-Weinmarktorganisation“ lautete das Thema der Rede des Präsidenten des Deutschen Weinbauverbandes, Norbert Weber, auf dem diesjährigen Moselweinbau in Kröv.

„Deutsche Weinbaupolitik unter Berücksichtigung der Reform der EU-Weinmarktorganisation“ lautete das Thema der Rede des Präsidenten des Deutschen Weinbauverbandes, Norbert Weber, auf dem diesjährigen Moselweinbau in Kröv.

Anhand neuester Zahlen wies Norbert Weber auf die ver­schärfte Wettbewerbssituation des deutschen Weins auf dem nationalen und internationalen Markt hin. Sein Fazit lautete: „Das Werben um die Weinkundschaft kann nur mit konse­quenter Qualitätspolitik erfolgreich sein. Hinzukommen muss jedoch auch die Bereitschaft der Verbraucher, diese Qualität entsprechend zu honorieren und ihre Einkäufe nicht aus­schließlich an Billigpreisen auszurichten. Steillagengebiete, wie hier an der Mosel, können niemals mit Billiganbietern konkurrie­ren.“

Die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Weinbaus sei wesentliche Zielsetzung der anstehenden Reform der Europäischen Weinmarktorganisation, so Weber. „Die ver­fügbaren Budgetmittel müssen daher künftig verstärkt für Strukturverbesserung, Markterschließung und Verbraucherin­formation eingesetzt werden. Die bisherigen Destillationen von südeuropäischen Tafelweinen haben viel Geld gekostet und die europäischen Erzeuger nicht wettbewerbsfähiger gemacht!“. Er sprach sich zudem im Sinne der Subsidiarität für die Übertra­gung von mehr Verantwortung auf die Mitgliedstaaten und die Weinwirtschaft aus und forderte eine Entbürokratisierung der europäischen Marktverwaltung.

Im internationalen Streit um die Definition des Weines und seiner Herstellung sprach sich der DWV-Präsident für eine Stärkung der Internationalen Weinorganisation (OIV) aus, von der internationale Normen entwickelt werden müssten. Nur sol­che Normen könnten in bilateralen Handelsabkommen aner­kannt werden. In diesem Zusammenhang bezeichnete Weber die Zustimmung des EU-Ministerrates zum EU-US-Wein­abkommen als große Niederlage für die europäischen Winzer und Verbraucher. „Wein darf nicht nur als ein Objekt eines glo­balisierten Weinhandels gesehen werden. Wein ist ein wertvol­les Kulturgut und ein Erzeugnis, das durch Boden, Klima und die Arbeit des Winzers im Weinberg geprägt wird. Die so er­reichte Qualität der Trauben soll durch den anschließenden Einsatz von schonenden kellertechnischen Maßnahmen mög­lichst optimal erhalten werden. Daher ist es jetzt umso notwen­diger geworden, die Verbraucher in Zukunft deutlich über die Unterschiede zwischen handwerklicher und industrieller Her­stellung zu informieren.“, so Weber. Sein ausdrücklicher Dank galt der Bundesregierung für ihre Bemühungen, eine Zustim­mung zu dem Abkommen zu verhindern.

Weber unterstrich die Notwendigkeit, dass die EU-Kommission in der zweiten Verhandlungsrunde sich engagierter dafür ein­setzt, Nachbesserungen des Weinabkommens auszuhandeln.

Mit Blick auf die nationalen Rahmenbedingungen forderte Prä­sident Weber gegenüber der Bundesregierung, dass die büro­kratischen und finanziellen Belastungen für die Familien­betriebe, wie sie im Weinbau üblich sind, verringert werden. Hierzu zählt für ihn u.a. eine dauerhaften Regelung für Saison­arbeitskräfte sowie der Verzicht auf neue steuerliche Belastun­gen.

Weiterhin erwartet der Deutsche Weinbauverband von der Bundesregierung, dass sie sich nicht einer pauschalierenden Alkoholpolitik anschließt, sondern den Bürgern unseres Landes ermöglicht, einen gesundheitsbewussten Lebensstil zu pflegen, der auch einen moderaten Weinkonsum einschließt. „Wir for­dern daher, dass sich die Bundesregierung für präventive In­formations- und Aufklärungsmaßnahmen zur Vermeidung des Missbrauchs alkoholischer Getränke, insbesondere auch durch Jugendliche, einsetzt und pauschalierenden Maßnahmen zur Verteuerung der Produkte oder zur Einschränkung ihrer Ver­fügbarkeit oder Beschränkungen einer verantwortungsbewuss­ten Werbung eine klare Absage erteilt“, sagte Weber.

Die diesjährige Fußballweltmeisterschaft sieht Weber als aus­gezeichnete Plattform, Besucher aus aller Welt von der breiten Palette deutscher Weinqualitäten zu überzeugen. Der Exklusiv­vertrag des Deutschen Weininstituts für die Fußballweltmeister­schaft müsse in Kooperation mit den Gebieten und Betrieben genutzt werden, um die deutschen Weine beim größten Me­dienereignis des Jahres 2006 zu den Gewinnern zu machen, so der DWV-Präsident.