DWV-Mitgliederversammlung auf Schloss Johannisberg im Rheingau - „Bericht zur Lage“ des Präsidenten

Pressemitteilung vom 14. Mai 2014

 

Anlässlich der Mitgliederversammlung des Deutschen Weinbauverbandes, die in diesem Jahr auf Schloss Johannisberg im Rheingau stattfand, ging DWV-Präsident Norbert Weber in seinem Bericht zur Lage eingangs auf den aktuellen Vegetationsstand und die Weinmarktsituation ein. Nach sonnenreichen, milden und trockenen Frühjahrsmonaten sind die Reben selten früher in die Vegetationsperiode gestartet. Bis heute summiert sich der Vegetationsvorsprung auf gut zwei Wochen. Die Abkühlung in den letzten Tagen hat den Vorsprung verringert, der Regen war dringend nötig. Die bis dato hervorragende Rebenentwicklung ermöglicht einen zuversichtlichen Ausblick.  

Vom Weinmarkt, der sich nicht unabhängig vom gesamtwirtschaftlichen Umfeld entwickelt, signalisieren die aktuellen Marktdaten stabile Verhältnisse. Das Interesse der Verbraucher an Wein summiert sich hierzulande auf rund zwei Mrd. Liter Wein pro Jahr, was einem mittleren Pro-Kopf-Verbrauch an Wein von 25 Litern entspricht. International betrachtet ist Deutschland weltweit der viertgrößte Weinmarkt mit einer Angebotsbreite und -tiefe die seinesgleichen sucht. Umso erfreulicher sei es, so Norbert Weber, dass deutscher Wein in der Beliebtheitsgunst auf dem heimischen Markt Marktführer ist und aus dem Ausland aus über 120 Ländern nachgefragt wird. „So positiv die Marktentwicklung in einigen Exportmärkten, wie zum Beispiel den USA und zum Teil in Asien ist, so darf doch nicht übersehen werden, dass der weltweite Weinkonsum seit 2008 nicht mehr gewachsen ist, sondern bei rund 240 Mio. Hektolitern stagniert, während die Weinerzeugung von der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) mit 270 Mio. Hektolitern beziffert wird. Ich verweise auf diese Zahlen auch vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über eine Ausweitung von Rebflächen!“, erklärte Weber. 

Zu den vielfältigen Themenschwerpunkten, mit denen sich der DWV in seiner täglichen Arbeit befasst, wies Weber zunächst auf die Herausforderungen des Klimawandels hin, die für den Weinbau Konsequenzen haben. So sei für einen qualitätsorientierten Weinbau der Pflanzenschutz unverzichtbar. Wechselhaftere Witterungsverhältnisse und extremere Klimaschwankungen bedingten neue phytosanitäre Situationen und Pflanzenschädlinge, auf die der Weinbau flexibel und verantwortungsbewusst reagieren können müsse. Dazu gehörten eine ausreichende Pflanzenschutzmittelpalette, schlanke Genehmigungsverfahren, jedoch keine überbordende Bürokratie. Weber benannte in diesem Zusammenhang als Beispiele die Reblaus- und ESCA-Problematik, ging auf den unverzichtbaren Hubschraubereinsatz für den Erhalt des Steillagenweinbaus ein, verwies auf die in der Weinbaupraxis begonnene Umsetzung der neuen Sachkunderegelung und erläuterte auch die gute Abstimmung des DWV mit dem ökologischen Weinbauverband ECOVIN, um auf europäischer Ebene eine sichere Grundlage zur Bekämpfung der für die Ökobetriebe existenziellen Bedrohung durch den Falschen Mehltau zu erreichen.

Zur Forschungsförderung im Weinsektor stellte der DWV-Präsident klar, dass die Weinwirtschaft hierzulande nach wie vor auf die finanzielle Unterstützung des Staates angewiesen sei. Nicht zuletzt angesichts der Präsenz internationaler Großkonzerne auf dem deutschen Weinmarkt stehe die eher mittelständisch strukturierte deutsche Weinwirtschaft in einem intensiven Wettbewerb, der nicht nur gut ausgebildete Nachwuchskräfte, sondern auch die aus der Forschung benötigte Innovationskraft erfordere, diese jedoch aus den eigenen bescheidenen Mitteln nicht alleine aufbringen könne.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die deutsche Weinwirtschaft unterliegen grundlegend den EU-rechtlichen Vorgaben. In diesem Zusammenhang hob Weber eingangs als Beispiel das Neuregelungsvorhaben zum EU-Saatgutrecht hervor, das darauf abziele, die bisherige Vielfalt artenspezifischer saatgutrechtlicher Richtlinien für Kulturpflanzen in einer einzigen Verordnung zusammenzuführen. Die Harmonisierungsbestrebungen sind grundsätzlich zu befürworten; allerdings fordere der Deutsche Weinbauverband, dass die Dauerkultur Rebe, in einer neuen Verordnung nicht subsumiert wird und die Besonderheiten der Rebkultur nicht mit anderen annuellen Pflanzenkulturen unübersichtlich vermischt, sondern die Reben als eigenständiges, transparentes Kapitel dort geführt werden.

Bezüglich des ab 2016 geltenden neuen Genehmigungssystems für Rebpflanzungen forderte Weber eine größere Flexibilität der Mitgliedstaaten bei der Festlegung von Zulassungs- und Prioritätskriterien bei Neuanpflanzungen sowie einen größeren Handlungsspielraum bezüglich der Beschränkung von Wiederbepflanzungen. Diese Forderungen seien Inhalt eines gemeinsamen Positionspapiers von zwölf Weinbau treibenden Mitgliedstaaten, in dessen gemeinsamer Unterstützung er die einzige realistische Chance sieht, diese Haltung gegenüber der EU-Kommission durchzusetzen. Er sprach sich dafür aus, bei der nationalen Umsetzung des Genehmigungssystems über die Gesamtzahl an neuen Rebpflanzungen erst dann zu entscheiden, sobald die noch ausstehenden EU-Durchführungsbestim­mungen vorlägen. Zu Beginn sollte die Gesamtzahl, insbesondere auch wegen noch verfügbarer „alter“ Pflanzrechte, jedoch deutlich niedriger als die EU-rechtlich vorgesehene Obergrenze von 1 Prozent des nationalen Rebareals festgesetzt werden. Zudem müsse bei Einführung des neuen Systems der bürokratische Aufwand für Verwaltungen und vor allem für die Weinbaubetriebe so gering wie möglich gehalten werden.

„Vorhandene Verwaltungsverfahren im derzeitigen Pflanzrechtesystem müssen 1:1 in das neue Genehmigungssystem überführt werden, um weitere Belastungen der Winzerbetriebe zu verhindern!“, so DWV-Präsident Weber.

Er äußerte sein Bedauern darüber, dass es im Zuge der GAP-Reform nicht gelungen war, einen speziellen Fördertatbestand für Steillagen einzuführen. Daher fordere der Berufsstand einen nicht mit Bürokratie belasteten finanziellen Ausgleich zum Erhalt dieser Kulturlandschaften aus Mitteln der öffentlichen Hand, um dem zunehmenden Trend des Verlustes an schwierig zu bewirtschaftenden Steillagen entgegenzuwirken, erläuterte der Präsident.

Die Umsetzung der neuen EU-Fördermaßnahme  „Information der Verbraucher über den verantwortungsvollen Weinkonsum“ sollte durch Förderung der Initiative der Deutschen Weinakademie WINEinMODERATION erfolgen.

Weber kritisierte die zunehmende Tendenz, spezifische Etikettierungsvorschriften für Wein durch horizontale Regelungen für alle Agrarprodukte zu ersetzen. Dieser Entwicklung müsse entgegengewirkt werden, um dem Status von Wein als Jahrhunderte altem Kulturgut gerecht zu werden. Er führte weiter aus, dass durch das neue EU-System der geschützten Ursprungsbezeichnungen und geschützten geographischen Angaben der Herkunft der Erzeugnisse eine immer größere Bedeutung zukomme. Diesbezüglich sieht er auch den Berufsstand in der Pflicht, sich auf Qualitätskriterien zur Stärkung der Herkunft zu verständigen. Dieses System müsse so ausgestaltet sein, dass es auch für den Verbraucher verständlich und nachvollziehbar ist.

Präsident Weber forderte nachdrücklich Nachbesserungen im Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Mindestlohn ein. „Die vorgesehene Regelung belastet massiv die arbeitsintensiven Sonderkulturbetriebe in Deutschland und benachteiligt uns im Wettbewerb mit Weinbauländern, die weitaus niedrigere Löhne haben“, so Weber. Er sprach sich daher für ein Festhalten an dem bestehenden Tarifvertrag aus, der eine schrittweise Anhebung des Mindestlohns in der Landwirtschaft auf 8,50 Euro ab 2017 vorsieht.

Zum Schluss seiner Ausführungen ging Präsident Weber noch auf die Beratungen des Freihandelsabkommens zwischen der EU und den USA ein. Die EU-Weinwirtschaft setze darauf, dass hierdurch die Aufnahme der zweiten Phase des EU-US-Wein­handelsabkommens eingeleitet und ein Verbot der Verwendung von EU-Herkunftsangaben (u.a. Moselle) als Gattungsnamen für US-Weine erreicht werde. Zudem dürfe das Freihandelsabkommen nicht zur Verwässerung von etablierten EU-Standards führen.