Deutscher Weinmarkt und europäische Weinbaupolitik - DWV Präsident Webers Rede auf Pfälzer Weinbautagen

Pressemitteilung vom 15. Januar 2013

Neustadt/Weinstraße – In seiner Rede anlässlich der Jahreshauptversammlung des Weinbauverbandes Pfalz bewertete der Präsident des Deutschen Weinbauverbandes (DWV), Norbert Weber, die aktuellsten GFK-Paneldaten als besonders erfreulich für den Absatz von deutschem Wein. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2012 konnte nicht zuletzt aufgrund der guten Ernte des 2011er Jahrgangs in allen Marktsegmenten ein Zuwachs verzeichnet werden. Dennoch sieht DWV Präsident Weber auch Herausforderungen für den Weinmarkt, insbesondere im Hinblick auf den demografischen Wandel der Gesellschaft und damit einhergehender Änderungen der Konsumgewohnheiten. Hierauf müsse sich die Weinwirtschaft rechtzeitig einstellen, angefangen mit Analysen zum Käuferprofil, zur Käuferreichweite bis hin zu neuen Marktsegmenten und Trends. Bei der Analyse offizieller Daten zur betriebswirtschaftlichen Entwicklung der deutschen Weinwirtschaft werde deutlich, so Weber, dass beispielsweise die Abbildung der Einkommenssituation in Winzerbetrieben immer wieder zu Missverständnissen führe. Es sei dem Deutschen Weinbauverband ein vorrangiges Anliegen, in Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen, richtige Angaben zur wirtschaftlichen Situation deutscher Weinbaubetriebe zu veröffentlichen, sagte der Präsident. Da die Entwicklung der deutschen Weinwirtschaft immer auch vor dem Hintergrund der Brüsseler Agrarpolitik betrachtet werden muss, widmete der DWV-Präsident den zweiten Teil seiner Rede dem 2012 viel diskutierten Thema Pflanzrechte. Weber skizzierte die Haltung des DWV bezüglich der Ergebnisse der Hochrangigen Expertengruppe wie folgt:

Der DWV erkenne die Fortschritte gegenüber der bisherigen Verweigerungshaltung der EU-Kommission hinsichtlich einer Regulierung der Pflanzungen durchaus an und unterstütze die Haltung von elf Mitgliedstaaten, die bisherige Regelung mit wesentlichen Verbesserungen in puncto Transparenz, Mobilität und Anpassungsmöglichkeiten an Marktentwicklungen, berichtete der Präsident. Laut Weber lehne der DWV jedoch jeglichen Systemwechsel hin zu einer Pflanzautorisierung aufgrund der rechtlichen, wirtschaftlichen und finanziellen Risiken ab, da die Folgen derzeit nicht abschätzbar seien. „Wir appellieren daher an die Bundesrepublik, mit Ihren Stimmen im Rat dafür zu sorgen, dass die Position der elf Mitgliedstaaten bezüglich der Pflanzrechteregelung in der neuen Regelung berücksichtigt wird!“, sagte Weber. Allgemein bemängelte der Präsident die fehlende Transparenz EU-rechtlicher Bestimmungen für den Weinsektor seit Einbeziehung des Regelwerks in die einheitliche Gemeinsame Marktorganisation (GMO). Ein Beispiel hierfür seien die Etikettierungsvorschriften, da die Regelungen über geschützte Ursprungsbezeichnungen und geschützte geographische Angaben im Weinsektor auf den Herstellungsort der Trauben und nicht auf den Ort der Produktion oder Abfüllung abstellen, erläuterte der Präsident. „Dies ist bei anderen Lebensmitteln nicht so“, erklärte Weber, „denn das Schwein, das für den Schwarzwälder Schinken verwendet wird, stammt in der Regel nicht aus dem Schwarzwald.“ Weber bezeichnete 2013 als ein Jahr wichtiger Entscheidungen für die gesamte GAP-Reform und ihre Auswirkung auf den Weinsektor, zu dem er auch Förderprogramme für den Weinsektor und den ländlichen Raum zählte.