Deutsche Winzer enttäuscht! EU-Ministerrat stimmt Weinabkommen mit den Vereinigten Staaten zu

Der Deutsche Weinbauverband (DWV) wertet die Zustimmung des EU-Ministerrates zum EU-US-Weinabkommen als große Niederlage für die europäischen Winzer und Verbraucher.

Der Deutsche Weinbauverband (DWV) wertet die Zustimmung des EU-Ministerrates zum EU-US-Weinabkommen als große Niederlage für die europäischen Winzer und Verbraucher.

DWV-Präsident Nor­bert Weber kommentiert das Ergebnis wie folgt: „Wir bedauern, dass „nur“ Österreich, Griechenland, Litauen und Portugal zusammen mit Deutschland dem Abkommen nicht zugestimmt haben. Daher ist es jetzt umso notwendiger geworden, die Verbraucher in Zukunft ge­nauer über die Herstellungsmethoden zu informieren. Die Unter­scheidung zwischen industrieller Weinproduktion einerseits und landwirtschaftlicher Weinbereitung andererseits muss ermöglicht werden!“

Der Deutsche Weinbauverband fordert weiterhin, dass die EU-Kommission in der zweiten Verhandlungsphase engagiert versucht, unbedingt Nachbesserungen des Weinabkommens auszuhandeln. In dieser Forderung sieht sich der DWV auch von den Mitgliedstaaten unterstützt, die heute im Ministerrat dem Abkommen zugestimmt haben.

Steigender Weinhandel – Rieslingboom in USA – Meistbegünstigung für alle

Der Deutsche Weinbauverband (DWV) unterstreicht sein großes Interesse an einem fairen Weinabkommen, das den ständig wachsenden Weinhandel zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union auf solide Füße stellt. In den letzten 12 Monaten hat Deutschland 440.000 hl US-amerikanischer Weine im Wert von 60 Mio. Euro importiert, während 236.000 hl deutsche Weine im Wert von 75 Mio. Euro in die Vereinigten Staaten exportiert wurden. Der Durchschnittspreis der ausgeführten deutschen Weine ist mit 317 Euro/hl deutlich höher als die 138 Euro/hl für die importierten US-Weine. „Wir müssen damit rechnen, dass der Mengen- und Preisdruck importierter Weine weiter wachsen wird. Umgekehrt freuen wir uns, dass das Interesse der US-Konsumenten an deutschen Rieslingen so gewachsen ist, so dass wir unsere Ausfuhren in die USA in den letzten fünf Jahren verdoppeln konnten.“, stellt Weinbaupräsident Norbert Weber fest.

Der Deutsche Weinbauverband weist nachdrücklich darauf hin, dass dieses Abkommen nicht nur Auswirkungen auf die Handelsbeziehungen zwischen den USA und der EU haben wird. Wegen des Meistbegünstigungsprinzips der WTO wird es sich auch auf die Weinhandelsabkommen mit anderen Drittländern, wie Australien, Kanada, Chile und Südafrika, auswirken!

USA soll in Internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV) zurückkehren

Die europäischen Erzeugerorganisationen, die in der Fachgruppe Wein der EU-Agrarorganisation COPA COGECA zusammengeschlossen sind, haben ausdrücklich die Kritik unisono unterstützt und gefordert, dass die US-Regierung wieder in die OIV zurückkehrt. Der Vizepräsident der Fachgruppe und Generalsekretär des DWV Dr. Rudolf Nickenig sagte: „Bei einem Welthandel von über 70 Mio. hl Wein brauchen wir eine international akzeptierte Definition „Was Wein ist und was nicht mehr Wein ist“ sowie einen internationalen Codex für die Weinherstellung. Orientiert an dieser internationalen Basis, die in der OIV von rund 600 Wissenschaftlern aus aller Welt gelegt wird, können dann die einzelnen Weinbauländer ihre Vorschriften erlassen. Auf dieser Basis soll der internationale Handel ohne Beschränkungen laufen. Was wir nicht akzeptieren können, ist die US-Forderung, dass jedes Land seinen eigenen Codex bestimmt und die Einfuhrländer das akzeptieren müssen. Hier hat die EU-Kommission viel versäumt und muss kräftig nachverhandeln und nachbessern.“

Industriewein oder landwirtschaftliches Erzeugnis?

„Wein darf nicht nur als ein Objekt eines globalisierten Weinhandels gesehen werden. Wein ist ein wertvolles Kulturgut und ein landwirtschaftliches Erzeugnis, das durch Boden, Klima und die Arbeit des Winzers im Weinberg geprägt wird. Die so erreichte Qualität der Trauben soll durch den anschließenden Einsatz von schonenden kellertechnischen Maßnahmen möglichst optimal erhalten werden. Wenn nicht mehr die landwirtschaftliche Kultur, sondern die Technik die Qualität produziert, dann sollte dieses Industrieprodukt anders bezeichnet werden!“, fordert DWV-Generalsekretär Dr. Rudolf Nickenig mit Blick auf die beiden Herstellungsphilosophien, die die Neue und Alte Welt trennen. „Wir haben den Eindruck, dass in Amerika Methoden eingesetzt werden (Stichwort: „Aromaveränderung durch spinning cone column“), die eindeutig als Industrieproduktionsweise einzustufen sind.“ Der Deutsche Weinbauverband ist der Auffassung, dass in der Internationalen Organisation Rebe und Wein (OIV) dieser Grundsatzstreit auszutragen ist. „Wenn im Grundsatz keine Einigung erreicht wird, dann pochen wir auf eine unterschiedliche Bezeichnung der beiden Produktkategorien!“ betont DWV-Generalsekretär Dr. Rudolf Nickenig.
Nach dem Abkommen dürfen Hinweise auf Weinbereitungsverfahren, die in Europa nicht zugelassen sind, nicht verlangt werden.


EU-US-Abkommen und Reform der EU-Weinmarktorganisation

„Fast möchte man glauben, dass in der EU-Kommission die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut!“ umschreibt Dr. Rudolf Nickenig als Vizepräsident der Fachgruppe Wein von COPA COGECA die Widersprüchlichkeiten zwischen Zielen der Reform der Europäischen Weinmarktorganisation und den Zugeständnissen im EU-US-Weinabkommen. „Das EU-US-Weinabkommen führt aufgrund der unterschiedlichen Herstellungsmethoden zu weiteren Wettbewerbsnachteilen für die europäischen Weinerzeuger. Gleichzeitig will die EU-Kommission mit der Reform der Marktorganisation die Wettbewerbsnachteile der europäischen Weinwirtschaft beheben. Die Kommission setzt den zweiten Schritt vor dem ersten und stolpert mit widersprechenden Konzepten in die dringend notwendige Reform der Weinmarktorganisation“.

Schutz europäischer Bezeichnungen in den USA – da bleibt viel zu tun

In der zweiten Phase der Verhandlungen muss der Schutz europäischer Bezeichnungen nach Auffassung des Deutschen Weinbauverbandes erheblich nachgebessert werden. „Die EU-Kommission rühmt sich, dass mit dem Abkommen der Missbrauch von 17 europäischen Bezeichnungen durch den US-Kongress abgestellt wird. Aber viele Fragen bleiben offen: Was geschieht mit Markeneintragungen von Unternehmen, die europäische Herkunftsbezeichnungen beinhalten? Nach jetzigem Text können diese Markennamen mit Herkunftsangaben unbeschränkt weiter verwendet werden. Was bedeutet das Recht auf freie Rede in diesem Abkommen? Es kann doch nicht wahr sein, dass dies zu Etikettenaufschriften auf amerikanischen Weinen führt, wie etwa: „Dieser Riesling wurde wie an der Mosel hergestellt?“ meint Weinbaupräsident Norbert Weber. Nach seiner festen Überzeugung ist der Schutz deutscher und europäischer Bezeichnungen in allen bisherigen bilateralen Abkommen, die die EU mit Chile, Kanada, Südafrika, Australien ausgehandelt hatte, deutlich besser verankert worden.