COPA-COGECA DRÄNGT EU AUF VERÖFFENTLICHUNG EINES VORSCHLAGS ZUM ERHALT DER PFLANZRECHTE IM WEINSEKTOR BIS ENDE DES JAHRES

Im Rahmen eines hochrangigen Treffens in Brüssel drängten die Präsidenten von Copa und Cogeca die Minister der EU heute darauf, die EU-Kommission aufzufordern, bis Ende des Jahres den Erhalt der Pflanzrechte im europäischen Weinsektor vorzuschlagen. Anderenfalls besteht die Gefahr schwerwiegender Marktungleichgewichte und Arbeitsplatzverluste in den ländlichen Gebieten der EU. Die Landwirtschaftsminister der EU nahmen an dem Treffen teil.

In Übereinstimmung mit den Ansichten Copa-Cogecas haben sich bereits 12 Mitgliedstaaten für die Forderung des Erhalts der Pflanzrechte für alle Weinarten in der EU zusammengeschlossen. Es wird erwartet, dass sich weitere Staaten dieser Initiative anschließen. 

Im Rahmen des Treffens betonte Copa-Präsident Gerd Sonnleitner: „Copa-Cogeca ist sehr besorgt darüber, was im EU-Weinsektor geschehen würde, wenn die Pflanzrechte abgeschafft würden. Durch Pflanzrechte haben die europäischen Landwirte ihren Produkten einen Mehrwert verleihen und diesen in der Landwirtschaft erhalten können. Eine Liberalisierung der Pflanzrechte würde zu tiefgreifenden Veränderungen in den europäischen Weinbaugebieten führen. Pflanzrechte haben einen Wert und wenn sie abgeschafft würden, käme es zu immensen Verzerrungen zwischen den Sektoren und zu Transfers zwischen den Gebieten, was zu einem Identitätsverlust der ländlichen Gebiete führen würde. Das Einkommen der europäischen Winzer stagniert schon seit Jahren, und dies würde es noch weiter reduzieren, was nicht hinnehmbar ist.“

Cogeca-Präsident Paolo Bruni sagte: „Die Liberalisierung der Pflanzrechte birgt das Risiko einer Entwicklung hin zu einem industrialisierteren Weinbausektor und würde zu schwerwiegenden Ungleichgewichten in der Lebensmittelkette und zum Entstehen von Produktionsüberschüssen führen. Das System der Pflanzrechte hilft, den EU-Weinmarkt und die Weinproduktion zu stabilisieren und die Qualität des in der EU erzeugten Weins zu gewährleisten. Die EU produziert einige der besten Weine der Welt und verfügt über ein weithin anerkanntes System von Qualitätsgarantien und -zertifikaten. Es wurde in einigen Familienbetrieben schon seit Generationen verwendet. Wenn die Pflanzrechte abgeschafft würde, geriete das gesamte System und die hohe Qualität der EU-Weine in Gefahr, was zum Verlust bedeutender Marktanteile der EU führen würde. Die Pflanzrechte müssen für alle Weinsorten erhalten bleiben.“

Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Wein“ von Copa-Cogeca, Thierry Coste, drängte die EU-Minister abschließend darauf, die EU-Kommission zur Veröffentlichung eines Vorschlags aufzufordern, der die Pflanzrechte im Weinsektor erhält. Die Mitglieder des Europäischen Parlaments haben bereits die Beibehaltung der Pflanzrechte nach 2015 anstelle ihres Auslaufenlassens gefordert, als im Mai über den Bericht zur Zukunft der GAP abgestimmt wurde. „I fordere die Kommission und die Minister dringlichst auf, sie zu erhalten. Ansonsten besteht die Gefahr einer Entwicklung hin zu einem industrialisierten Weinbausektor auf Kosten der familiengeführten Betriebe,“ betonte Coste. 

FRAGEN UND ANTWORTEN ZUM ERHALT DER PFLANZRECHTE IM WEINSEKTOR DER EU

Was erbringen Pflanzrechte im Weinsektor der EU?

Das europäische System der Pflanzrechte im Weinsektor gewährleistet, dass die Produktion in den wichtigsten Weinbaugebieten erhalten bleibt. Dies hat es der EU ermöglicht, die Versorgung mit hochqualitativem Wein sowie den Erhalt einer ausgewogenen Marktlage zu gewährleisten, indem das Angebot auf dem Markt seit den 1970er Jahren an die Nachfrage angepasst wird. Ein Erzeuger, der ein Pflanzrecht aus der nationalen Reserve erhalten möchte, muss in der Lage sein, Absatzmöglichkeiten für seine Produktion auf dem Markt nachzuweisen. 

Was wären die Konsequenzen einer Abschaffung des Systems?

Die vorausgesagten Konsequenzen einer Abschaffung dieses Systems wären dramatisch:

·Gefahr einer Veränderung des Sektors hin zu einem industriellen Weinbausektor, was schädlich für familiengeführte Betrieb in der EU wäre;

·Auswirkungen auf die Umwelt und die Landnutzung;

·Überschussproduktion.

Wer wollte die Pflanzrechte abschaffen?

Der Vorschlag zur Abschaffung der Pflanzrechte wurde 2008 im Zuge der Reform der Weinbaubestimmungen verabschiedet. Die Wein produzierenden Mitgliedstaaten waren geteilter Meinung zu dieser Frage und verteidigten unterschiedliche Prioritäten. Nur Copa-Cogeca und das Europäische Parlament waren dagegen. Die Abschaffung des Systems tritt zum 1. Januar 2016 in Kraft, aber die Mitgliedstaaten können beschließen, das System bis spätestens zum 31. Dezember 2018 fortzuführen.

Welche Position vertritt Copa-Cogeca zu den Pflanzrechten?

Copa-Cogeca fordert die Beibehaltung der Pflanzrechte für alle Weinsorten in der EU nach 2015. Daher hat Copa-Cogeca im Juni 2011 ein Schreiben an den polnischen und an den ungarischen Landwirtschaftsminister versandt, in dem darum gebeten wurde, die Kommission zum Überdenken ihrer Entscheidung aufzufordern. Viele nationale Mitgliedsorganisationen Copa-Cogecas haben dieselbe Aufforderung an ihre Minister gesandt.

Welche Mitgliedstaaten tragen bislang die Position Copa-Cogecas mit?

Auf Ratsebene bezogen 12 Mitgliedstaaten zwischen April und Juni 2011 Position gegen die Liberalisierung: Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Ungarn, Österreich, Rumänien, Luxemburg, Zypern, die tschechische Republik und die Slowakei. Zwei weitere Mitgliedstaaten und 66 Stimmen sind nötig, um eine qualifizierte Mehrheit zu erreichen und den Beschluss zu blockieren.

Welche Position vertritt das Europäische Parlament zu Pflanzrechten?

Das Europäische Parlament legte am 23. Juni 2011 in seinem Bericht zur Zukunft der GAP dar, dass es für den Erhalt der Pflanzrechte ist.

Wann sollte nach Ansicht Copa-Cogecas ein EU-Kommissionsvorschlag veröffentlicht werden?

Copa-Cogeca fordert die EU-Kommission auf, bis Ende des Jahres einen Vorschlag zum Erhalt der EU-Pflanzrechte im Weinsektor zu veröffentlichen und den Beschluss zu ihrer Abschaffung rückgängig zu machen. Ein schneller Beschluss ist notwendig, um die Erzeuger in die Lage zu versetzen, die notwendigen Investitionen zu tätigen.

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