Bericht zur Lage DWV-Präsident Weber informiert über aktuelle Rahmenbedingungen der Weinwirtschaft

Anlässlich der Mitgliederversammlung des Deutschen Weinbauverbandes, die zum 350-jährigen Silvaner­jubiläum am 8. Juli 2009 in Würzburg stattfand, informierte DWV-Präsident Norbert Weber zu den aktuellen weinwirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Anlässlich der Mitgliederversammlung des Deutschen Weinbauverbandes, die zum 350-jährigen Silvaner­jubiläum am 8. Juli 2009 in Würzburg stattfand, informierte DWV-Präsident Norbert Weber zu den aktuellen weinwirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Norbert Weber zeigte sich sehr zufrieden mit der derzeitigen Situation in den Weinbergen, die vielver­sprechend für einen guten 2009er Weinjahrgang ist. Gleichzeitig sind die Erwartungen zur weiteren Wein­marktentwicklung von vorsichtigem Optimismus ge­prägt. Denn zum einen hat sich das Interesse der Ver­braucher an deutschem Wein auf dem Inlandsmarkt und im Ausland im vergangenen Jahr sehr erfreulich entwickelt; zum anderen sei der Weinabsatz im ersten Halbjahr 2009 trotz aller Unkenrufen wegen der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen stabil geblieben.

Die allgemein stärkere Nachfrage nach Bioerzeug­nissen zeigt sich laut Weber auch im Weinsektor. Dem soll auf EU-Ebene mit einer Kennzeichnungsmöglich­keit als „BioWein“ Rechnung getragen werden. Ein erster Kommissionsvorschlag an kellerwirtschaftlichen Grundregelungen berücksichtigt nach gemeinsamer Auffassung des Deutschen Weinbauverbandes und des Bundesverbandes ECOVIN nicht die Interessen der deutschen Ökowinzer, da auf die unterschiedli­chen Witterungsbedingungen in den Weinbauregionen Europas zu wenig Rücksicht genommen wird.

Weber kritisierte in seinen Ausführungen zur europäi­schen Weinbaupolitik in massiver Weise die EU-Kom­mission, die bei der Umsetzung der Weinmarktreform ihren Machtzuwachs missbrauche. Sie versuche über den Weg der Durchführungsbestimmungen ihre Inter­essen durchzusetzen, die bei der Weinmarktreform im Ministerrat nicht mehrheitsfähig waren. Als Beispiele nannte Weber die Süßung mittels Mostkonzentrat, die Rosé-Verschnittregelung und die Verschnittregelung von Drittlandsweinen mit europäischen Weinen bei der Herstellung von Wermutweinen und ähnlichen Produk­ten!

An die Adresse der Mitglieder des EU-Parlaments, des Bundestags und der Bundesregierung gerichtet forder­te er, die Kontrolle der EU-Kommission zu verstärken und deren Handlungsradius einzuschränken. Weber sprach sich für einen Ausbau der Subsidiarität aus, damit die Entscheidungen vor Ort unter Einbindung der Betroffenen beschlossen werden. Weber kritisierte unter anderem, dass die EU-Kom­mission die Besonderheiten des Kulturgutes Wein missachte und das eigenständige Weinrecht abschaf­fen wolle. „Wer Wein mit Kraut und Rüben auf eine Stufe stellt, der hat Tomaten auf den Augen!“, brachte Weber seinen Unmut auf den Punkt. Da der DWV Wein als Kulturgut und Bestandteil eines gesundheits­bewussten Lebensstils bewertet, setzt er sich auch für einen moderaten Weinkonsum ein und lehnt entschie­den staatliche Reglementierungen und Diskrimi­nie­rungen für verantwortungsbewusste Weingenießer ab.

Weber ging auch auf die Umsetzung der Brüsseler Weinmarktreform in das nationale Weinrecht ein, die nach seinen Worten unter unmöglich engen Brüsseler Zeitvorgaben durchzuführen sei. Er begrüßte die Be­reitschaft von Bundesregierung, Bundestag und Bun­desrat die notwendigsten Anpassungen auf den Weg zu bringen und für die Anpassung an die neuen Eti­kettierungsvorschriften die erforderliche Prüfungs- und Diskussionszeit einzuräumen.

Der Präsident des Deutschen Weinbauverbandes un­terstrich die Notwendigkeit von Einrichtungen des Ge­meinschaftsmarketings auf Bundes- und Landes­ebene. Denn die Nachteile im internationalen Wettbe­werb, sowohl auf dem heimischen Markt als auch auf den Exportmärkten, können von den einzelnen Win-zern, Winzergenossenschaften und Kellereien alleine nicht ausgeglichen werden.

Weber legte nochmals die spezifischen wirtschaft­lichen Rahmenbedingungen im Weinsektor dar. Im Gegensatz zur Situation in der allgemeinen Ernäh­rungs- und Landwirtschaft sowie zum Holzfonds habe der Weinsektor ein Export-Import-Verhältnis von 1 zu 6 und der Importdruck erhöhe sich durch die Globalisierung. Vergleiche man die Struktur der deut­schen Weinwirtschaft, die durch kleinere Unternehmen im Verhältnis zu den Lieferländern insbesondere der Neuen Welt gekennzeichnet ist, so werde ein weiterer Wettbewerbsnachteil der deutschen Weinwirtschaft deutlich. Nach beiden BVerfG-Entscheidungen sei eine Sonderabgabe innerhalb einer Branche zum Ausgleich von transnationalen Wettbewerbsnachteilen zulässig, wenn diese Nachteile von den Einzelnen nicht kompensiert werden können. Diese Vorausset­zungen sind für Weber im Weinsektor eindeutig gegeben.

Weber verwies darauf, dass auch in anderen Ländern, unter anderem in Frankreich und Österreich, parafis­kalische Abgaben erhoben werden. Deshalb sei man dabei, die Wettbewerbssituation in der Europäischen Union genau zu analysieren und alle Gestaltungs­möglichkeiten für ein Gemeinschaftsmarketing in der deutschen Weinwirtschaft zu prüfen. Wenn in anderen Ländern der Staat zu einem Großteil das Gemein­schaftsmarketing aus allgemeinen Steuergeldern fi­nanziert - und das Bundesverfassungsgericht dies offenbar für einen gangbaren Weg hält – dann müss­ten sich die Politiker fragen lassen, ob sie die deut­sche Landwirtschaft und den Weinsektor bewusst in einen Wettbewerbsnachteil zu den ausländischen Konkurrenten stellen wollen. „Der deutsche Weinbau beschäftigt mehr Arbeiter als Opel und Karstadt zusammen! Konjunkturelle Hilfen und Entlastungen muss es auch für den Weinbau und für die Land­wirtschaft geben!“

Weber forderte mit Blick auf die Europa- und Bun­destagswahlen, dass die Politiker bei allen großen glo­balen Finanz- und Wirtschaftsproblemen die berech­tigten Anliegen der deutschen Landwirte und Winzer nicht aus dem Blick verlieren dürfen. Er forderte einen konstruktiven Dialog zwischen Politik und Weinwirt­schaft und begrüßte, dass Bundesministerin Aigner an der Mitgliederversammlung des DWV teilnahm. Der DWV sei bereit, die Eigenverantwortung in der Bran­che zu stärken, Branchenorganisationen seien ein neu im Weingesetz aufgezeigter Weg, wenn die Politik bereit sei, die hierfür notwendigen Befugnisse der Branche zu übertragen.

Die Politik müsse den deutschen Betrieben im harten globalen Wettbewerb Chancengleichheit sichern. Die Wettbewerbssituation mit anderen Mitgliedstaaten und Drittländern müsse bei der Absatzförderung ebenso beachtet werden, wie beim Klima-, Umwelt und Natur­schutz. Nachdrücklich unterstützte Weber die Inter­essen der deutschen Ökowinzer, die der DWV ge­meinsam mit ECOVIN vehement in Brüssel vertritt.

Norbert Weber forderte den Gesetzgeber auf, einen qualitätsorientierten Weinbau nicht mit überzogenen Auflagen zu belasten. Insbesondere beim Pflanzen­schutz müsse den neuen Herausforderungen durch den Klimawandel begegnet werden können. Flexibilität hinsichtlich der Verfügbarkeit von Pflanzenschutz­mitteln, aber auch der Einsatz verschiedener Techni­ken (Hubschrauber in Steillagenregionen) sei daher ein unabdingbares Muss.

DWV-Präsident Weber begrüßte das nach wie vor rege Interesse an einer beruflichen Erstausbildung im Weinsektor, das weit diesen hinausreiche und die Attraktivität des vielseitigen Winzerberufes unterstrei­che. Er sieht im hohen Ausbildungsniveau und einer praxisorientierten Fort- und Weiterbildung eine solide Basis für einen auch in Zukunft sich im internationalen Konkurrenzumfeld erfolgreich behauptenden deut­schen Weinbau.

Der Präsident des DWV blickt trotz aller aktuellen Probleme mit Zuversicht in die Zukunft. „Wir haben eine hervorragend ausgebildete, engagierte und qualitätsorientierte junge Winzergeneration. Unsere fruchtigen Weine sind aufgrund der besonderen Klimabedingungen einzigartig in der Welt. Immer mehr Verbraucher im In- und Ausland finden Geschmack an unseren Weinen. Moderater Weingenuss wird immer mehr als ein Bestandteil eines modernen, gesund­heitsbewussten Lebensstils gesehen. Immer mehr Menschen suchen Erholung und Wellness in den Weinbaugebieten, die sich zum Wandern und stress­freien sportlichen Tätigkeiten anbieten. Moderne oder traditionelle Architektur, gemütliche Weinstuben, mo­derne Önotheken, es gibt viele gute Argumente, die Erholung suchenden Menschen in unsere Wein­baugebiete einzuladen. „Franken geht hierbei einen vorbildlichen Weg!“, unterstrich Weber auf der Mit­gliederversammlung in Würzburg.