Aktuelles aus der Weinbaupolitik - DWV-General­sekretär berichtet auf Winzerfachtagung im Rheingau

Pressemitteilung vom 15. Januar 2013

Oestrich - In seiner Rede anlässlich der Großen Winzerfachtagung des Rheingauer Weinbauverbandes nahm der Generalsekretär des Deutschen Weinbauverbandes (DWV), Dr. Rudolf Nickenig, Stellung zur Entwicklung der Weinbaupolitik auf EU-Ebene und kommentierte einzelne Aspekte der Reform der einheitlichen Gemeinsamen Marktordnung (GMO) im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP).

Zum dem im vergangenen Jahr viel diskutierten Thema Pflanz­rechte skizzierte Nickenig die Haltung des DWV bezüglich der Ergebnisse der hochrangigen Expertengruppe wie folgt: Der DWV erkenne die Fortschritte gegenüber der bisherigen Verweigerungshaltung der EU-Kommission hinsichtlich einer Regulierung der Pflanzungen durchaus an und unterstütze die Haltung von elf Mitgliedstaaten, die bisherige Regelung mit wesentlichen Verbesserungen in puncto Transparenz, Mobilität und Anpassungsmöglichkeiten an Marktentwicklungen. Laut Nickenig lehne der DWV jedoch jeglichen Systemwechsel hin zu einer Pflanzautorisierung - die von der EU-Kommission präferiert wird - aufgrund der rechtlichen, wirtschaftlichen und finanziellen Risiken ab, da die Folgen derzeit nicht abschätzbar seien. „Wir appellieren daher an die Bundesrepublik, im Rat für weitere Unterstützung zu werben, dass die Position der elf Mitgliedstaaten bezüglich der Pflanzrechteregelung in der Reform berücksichtigt wird!“, sagte der Generalsekretär. Doch nicht nur bezüglich der Pflanzrechte, sondern ganz allgemein bemängelte Nickenig die fehlende Transparenz EU-rechtlicher Bestimmungen für den Weinsektor seit der Einbeziehung des Regelwerks in die einheitliche Gemeinsame Marktorganisation (GMO) und übte Kritik an der zunehmenden Undurchschaubarkeit der Brüsseler Gesetzgebungsverfahren.

Hinsichtlich des Themas ‚Branchenverbände und Erzeugerorganisationen‘ stellte der Generalsekretär einen großen Bedarf an Aufklärung und Einigung in den eigenen Reihen fest. „Die Diskussion wird in Deutschland zu dogmatisch, zu sehr nach Schwarz-Weiß-Muster, zu oberflächlich hinsichtlich der Brüsseler Pläne, zu abgehoben von den Bedürfnissen, Möglichkeiten und Folgen für die Weinbranche geführt! „Dies müssen wir dringend ändern und so appelliere ich an die Verantwortlichen, in weiteren Diskussionen praxisorientierte und tatsächlich umsetzbare Lösungen anzustreben“, sagte er.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der GAP-Reform, so der Generalsekretär, sei die Förderpolitik für den Weinbau im Besonderen und für den Ländlichen Raum im Allgemeinen. Nach Ansicht des DWV hätten sich diese Stützungsprogramme bewährt, so dass sie nur geringfügig verbessert bzw. ergänzt werden müssten, erläuterte Nickenig. Dabei unterstütze der Verband die Aufnahme eines Steillagenförderprogramms, begrüße im Gegenzug allerdings, dass in Deutschland auf die Betriebsprämienregelung verzichtet würde, führte er weiter aus.

Abschließend wies der Generalsekretär auf die bei den Versammlungen der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) geführten Diskussionen zum Alkoholmanagement hin und stellte heraus, dass es sich dabei aktuell um einen besonders wichtigen Aspekt bei der Weinbereitung handele. „Den nach wie vor bestehenden Gesprächsbedarf greifen wir in unserer Tagung zum Alkoholmanagement im Rahmen des 61. Deutschen Weinbaukongresses auf, in der wir den neuesten Stand der Forschung präsentieren sowie Wege für den zukünftigen Weinbau vor dem Hintergrund des klimatischen und demografischen Wandels vorstellen.“ Der Generalsekretär lud alle Rheingauer Winzer zum Besuch der weltweit wichtigsten Technologieausstellung für den Weinsektor, der INTERVITIS INTERFRUCTA, und zur Teilnahme am 61. Deutschen Weinbaukongress vom 23. bis 27. April 2013 nach Stuttgart ein.