Fachorgan Leitartikel Archivausgabe

Die Eisheiligen machen ihrem Namen alle Ehre!

Zahlreiche Anbaugebiete mussten sich vergangene Woche – neben den Folgen der Corona-Krise – mit den Folgen der Spätfröste auseinandersetzen.

Nach den Spätfrösten Mitte April sanken die Temperaturen in den Nächten der vergangenen Woche erneut unter den Gefrierpunkt. Waren die Schäden vor einem Monat noch überschaubar, so ist zu erwarten, dass die aktuellen Frostereignisse der Anbaugebiete Baden, Württemberg, Franken, Saale-Unstrut und Sachsen – zumindest in Teilen der Gebiete – größere Schäden verursacht haben könnten. Valide Aussagen über das tatsächliche Ausmaß werden erst später im Jahr getroffen werden können. Es ist zwar nicht außergewöhnlich, dass zu dieser Zeit des Jahres Spätfröste auftreten; problematisch ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass wir seit einigen Jahren beobachten können, dass die Vegetationsentwicklung im April und Mai im Vergleich zu früheren Zeiten weiter fortgeschritten ist. Größere Triebe haben mehr Wasser im Gewebe und sind daher schon bei weniger tiefen Temperaturen anfällig. Bereits 2017 hat der frühe Austrieb dafür gesorgt, dass durch Spätfrost erhebliche Schäden an den Reben entstanden und im Ergebnis eine erheblich kleinere Ernte erzielt wurde. Seit Jahren ist zu beobachten, dass eine frühere Reifeentwicklung oder häufigere Extremwetterereignisse – regional oder lokal mit unterschiedlichen Intensitäten – auftreten. Experten und die gesamte Weinbaubranche sind sich einig, dass es sich hierbei um Folgen des Klimawandels handelt und die Weinbaubetriebe angesichts des Anstiegs der Temperaturen und den damit verstärkt auftretenden Wetterphänomenen immer größer werdenden Herausforderungen ausgesetzt sind. Möglichkeiten des Risikomanagements im Weinbau werden daher seit Jahren diskutiert, praktiziert und weiterentwickelt. Neben dem Schutz vor Spätfrösten betrifft dies auch den Erosionsschutz, die Hagelabwehr, aber auch den Schutz vor neuen Pflanzenkrankheiten, Bewässerung, Entwicklung neuer Rebsorten oder neue Erziehungssysteme für Reben. Wichtig ist in diesem Zusammenhang insbesondere, dass der Staat bzw. die EU die Entwicklung und die Umsetzung von präventiven Maßnahmen der Weinbauunternehmen gegen Witterungsrisiken entsprechend unterstützt. Die in diesem Zusammenhang existierenden Versicherungsmöglichkeiten möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen. Natürlich wollen wir auch diesmal einen Blick auf die neusten Entwicklungen im Zusammenhang mit der Corona-Krise werfen. Die ersten Gastronomiebetriebe haben in der letzten Woche mit strengen Auflagen wieder geöffnet. Auch für den Weinausschank und die Weinverkostungen wurden zumindest in einigen Bundesländern konkrete Regelungen getroffen. Für unsere Erzeuger bleibt zu hoffen, dass diese Öffnungen möglichst schnell zu einer umfassenden Wiederbelebung dieses Absatzkanals führen. Ich mahne hier dazu, die derzeitige Handhabung nicht durch eine Nichteinhaltung der Vorgaben zu gefährden. Ich habe in diesem Zusammenhang auch wenig Verständnis für Gruppierungen, die Demonstrationen gegen Einschränkungen von Grundrechten für ihre Zwecke missbrauchen. Abzuwarten bleibt, ob neben den Lockerungen für das Gastronomie- und Hotelgewerbe die Lockerungen der Reisebestimmungen eine Belebung des Tourismus, auch des Oenotourismus, in den Sommermonaten ermöglichen. Das wäre sehr wichtig für unsere Anbaugebiete! Wichtig wäre auch, dass der europäische Berufsstand bei seinem Kampf in Brüssel, ein zusätzliches Budget für die Finanzierung eventueller Krisenmaßnahmen durchzusetzen, von allen Seiten – auch von der deutschen Politik – unterstützt wird. Diesen Appell richten wir daher noch einmal an Berlin!