Geschichte

1874 Gründungsjahr

Am 30. September 1874 fand die Gründungsversammlung während des 1. Deutschen Weinbaukongresses in Trier statt. 

Dr. Blankenhorn (Müllheim/Baden)wurde der erste Präsident des Vereins, der sich anfangs noch aus Einzelmitgliedern zusammensetzte.

1874 waren es in erster Linie drei Problemkreise, die den jungen Verein beschäftigten:

Die Rebkrankheiten und hier im besonderen die zunehmende Verbreitung der Reblaus von Westen nach Osten; die sogenannte Kunstweinfabrikation und die Weinfälschungen auf dem deutschen Markt. Schließlich die Auseinandersetzung des deutschen Weins mit den Importen.

Zur Zeit der Gründung des Weinbauverbandes und noch in den kommenden Jahrzehnten befand sich der deutsche Weinbau, sogar in manchen berühmten traditionellen Gebieten, in einer ausgesprochenen Krisenlage. Die deutsche Rebfläche schrumpfte nicht nur von den Rändern her, sondern selbst in den Kerngebieten zeigte sich die Gefahr einer Stagnation bzw. einer Aufgabe von Rebflächen.

Um die entstehenden Aufgaben besser bewältigen zu können, gab sich der bisherige Weinbauverein kurz vor dem Ausbrechen des 1. Weltkrieges (1913) eine straffere Organisationsform.

1913 Neuorganisation

Er ging von der bisherigen gemischten Mitgliedschaft ab, indem er die Einzelmitgliedschaft ausschloß und nannte sichseiner neuen Organisationsform entsprechend Deutscher Weinbauverband. Der Vorstand wurde aus den Vorsitzenden der Landesorganisationen gebildet und zum Präsidenten wurde Franz Buhl gewählt. Gründungsmitglieder waren die Landesverbände Baden, Bayern, Hessen, Elsaß, Preußen, Sachsen und Württemberg.

Der erste Weltkrieg und die folgende Inflation hatten bis 1923/24 die großen Interessengegensätze zwischen der heimischen landwirtschaftlichen Produktion, und damit auch dem Weinbau, und der exportorientierten Industrie verdeckt. Mit dem "Wunder der Rentenmark" und dem folgenden Interesse des Auslandes am deutschen Markt begann ein teilweise erbittertes Ringen um die neuen Handelsverträge und den Zolltarif.

Die folgende Öffnung des deutschen Marktes brachte zusammen mit der Knappheit der Rentenmark scharfe Preiseinbrüche und eine akute Absatzkrise. Für den Deutschen Weinbauverband wurde die Außenhandelspolitik zur Thematik der Stunde. Er wandte sich mit beschwörenden Entschließungen an die Reichsregierung. Die 1924/25 entstandene Notlage der Winzerschaft führte dann zu den Unruhen in Bernkastel im Februar 1926.

1926 Große Winzernot

Die Diskussion der Winzernot im Reichstag führte zu wenigstens einer konkreten Maßnahme: der Aufhebung der Reichsweinsteuer im April 1926. Die steigende Verbraucherkaufkraft führte zu einer Stabilisierung, ohne dass man im allgemeinen von den "goldenen 20er" für den Weinbau reden kann. Die Weltwirtschaftskrise in den späten 20er Jahren erfasste auch den Weinbau.

Der Versuch, die Krise im Weinbau durch die Winzerkredite zu meistern, scheiterte. Nach der Machtübernahme durch Hitler wehrte sich der Deutsche Weinbauverband gegen die beginnende Gleichschaltung der Organisationen.

1934 Zwangseingliederung

Im Jahre 1934 - dem Verband gehörten nun sechs regionale Weinbauverbände, der Verband Deutscher Naturweinversteigerer, zwei zentrale Genossenschaftsverbände und sieben am Weinbau beteiligte Landwirtschaftskammern an - wurde der Deutsche Weinbauverband in den "Reichsnährstand" aufgelöst. Nach dem Krieg wurden alle Weinbestände von den Besatzungsmächten erfasst und blockiert. Die Beweggründe, sich organisatorisch wieder zusammenzuschließen liegen auf der Hand: Freigabe wenigstens eines Teils der Ernte, Mitbestimmung der Winzer in Vermarktungsfragen und Beendigung der Zwangswirtschaft. Die regionalen Weinbauverbände, die bereits unmittelbar nach dem Kriegsende ihre Arbeit wieder aufnehmen durften, traten am 21. September 1948 zusammen, um eine Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Weinbauverbände mit dem Sitz in Frankfurt zu gründen. Aus dieser Arbeitsgemeinschaft entstand am 31. März 1950 in Mainz der Deutsche Weinbauverband.

1950 Neuer Start

Richard Graf Matuschka Greiffenclau, der wesentlich zur Wiederbegründung beigetragen hatte, wurde Präsident und leitete den Verband von 1950 bis 1964. In den ersten Jahren stand wieder die Außenhandelspolitik im Mittelpunkt der Verbandspolitik.

Die ersten Handelsverträge wurden abgeschlossen, die Bundesrepublik nahm 1950/51 an den Verhandlungen des GATT in Torquay teil. Bemerkenswert war, dass Graf Matuschka an diesen wichtigen Verhandlungen als Generalsachverständiger der deutschen Landwirtschaft teilnahm.

Gleichzeitig wurde die Bundesrepublik wieder Mitglied des Internationalen Weinamtes und nahm zum ersten Mal am internationalen Weinbaukongress teil. Im Jahre 1950 fand auch der erste deutsche Weinbaukongress nach dem 2. Weltkrieg statt. Die erste landwirtschaftliche Betriebszählung in der Bundesrepublik stellte rund 150 000 weinbautreibende Betriebe fest.

Die nächsten Jahre standen im Zeichen des Kampfes um das Verhältnis von deutscher Weinernte und Weineinfuhren. Der Deutsche Weinbauverband wandte sich im Angesicht des geschwächten Zustandes der Winzerschaft gegen eine Vollliberalisierung und trat für eine vernünftige Kontingentierung ein.

1961 Weinwirtschaftsgesetz

Aus ersten marktordnerischen Überlegungen entstand dann auf nachdrückliches Betreiben des Deutschen Weinbauverbandes das Weinwirtschaftsgesetz im Jahre 1961 mit einer neuen Form der Anbauregelung und der Schaffung des Stabilisierungsfonds für Wein, als Anstalt des öffentlichen Rechts. Der EWG-Vertrag mit seinem Inkrafttreten am 1. Januar 1958 brachte auch die Verpflichtung zu einer gemeinsamen Agrarpolitik. Die Weinbauverbände der sechs EWG-Länder begannen bereits im Jahre 1959 die Grundlagen einer gemeinsamen Weinbaupolitik zu erörtern. Der Deutsche Weinbauverband trat mit großer Energie und mit Erfolg dafür ein, dass die traditionellen Weinbaubedingungen respektiert wurden.

1970 Start EU-Weinmarktordnung

Aufgrund dieser harten Auseinandersetzungen wurde erst im Jahre 1970 die Weinmarktordnung beschlossen. Die Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft führte zu immer neuen Herausforderungen.

1990 Wiedervereinigung

Die Wiedervereinigung Deutschlands brachte auch eine Wiedervereinigung mit den Weinbauverbänden: Die Weinbauverbände von Sachsen und Saale-Unstrut, die 1990 als Gastmitglieder in den dwv aufgenommen wurden, gehören seit 1991 dem Verband wieder als ordentliche Mitglieder an.